Ein Fest wie ein Crashtest

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Tino Lange

Bad Religion, NOFX, Slime, Mad Caddies und Montreal pflügen die Trabrennbahn um

„Ihr seid Lehrer und Beamte, seid Gelehrte sogenannte. Ihr schreibt Bücher, seid im Fernsehen Und ihr glaubt, dass wir euch gern sehen“, wüteten die Hamburger Punk-Pioniere von Slime in den 80er-Jahren im Song „Linke Spießer“ gegen Sozialarbeiter und Studenten, die ihre Seele an das System verkauft haben. Es waren wilde Zeiten damals. Der Staat hatte Sänger Dicken und seine Rabauken dank eindeutig unzweideutiger Texte wie „Bullenschweine“ auf dem Kieker, und die Neonazis sowieso. Von den Behörden hagelte es bis zur Auflösung 1994 Verbote, von den Faschos Fäuste.

Da ist es schon interessant zu sehen, dass Slime, wieder vereint seit 2009, beim Hamburg Crash Fest am 22.August ganz selbstverständlich mit Bands auf der Bühne der Trabrennbahn stehen wird, die für manche Veteranen und Althauer der Kämpfe um Hafenstraße und Rote Flora in der „Linke Spießer“-Ecke stehen. Bad Religion aus Los Angeles zum Beispiel, deren Sänger Greg Graffin Doktor der Biologie ist, während Gitarrist Brett Gurewitz als Boss für das über die Jahre immer kommerzieller gewordenen Epitaph-Musiklabels steht. Oder Bad Religions kalifornische Kollegen NOFX, die von Puristen gern auf den Party-Appeal ihres so hastigen wie melodiösen Stils reduziert werden.

Aber am Beispiel Slime, Bad Religion oder NOFX sieht man, dass manche dogmatische Einstellung aus Teenagertagen sich mit den Jahren abschleift, dass man vom ewigen Angerenne mit dem Kopf durch die Wand wenig gewinnt außer höllischen Kopfschmerzen. Dabei kann man sich als Musiker auch im gereiften Alter eine kritische Haltung bewahren. Ob das für die Masse der Fans überhaupt noch eine Rolle spielt, darf eh bezweifelt werden. Hauptsache, NOFX spielt zum Finale nach vielen schnellen und einigen nicht ganz so schnellen Nummern „Kill All The White Man“. Und Bad Religion „Infection“. Und Slime „Legal Illegal Scheissegal“. Ein Konzert darf und muss auch Spaß machen.

Und das wird es, wenn die drei altgedienten Akkordschrubber die Trabrennbahn umpflügen. Mit dabei sind zum Vorglühen auch die – noch mehr aus Kalifornien – Ska-Holzer Mad Caddies und das Hamburger Vollgas-Trio Montreal. Fünf Bands für das Slime-Motto „Brüllen, zertrümmern und weg“, ein Fest wie ein Crashtest.

Hamburg Crash Fest Do 22.8., 16.30, Trabrennbahn Bahrenfeld (S Othmarschen, Metrobus 1), Luruper Chaussee 30, Eintritt 40,- (Abendkasse); www.hamburgerkultursommer.de