Wie Laub unter den Stiefeln

Die Berliner Electro-Chanteuse Dillon zeigt ihr reiches Klangspektrum auf Kampnagel

Auf dem Cover ihres Debütalbums „This Silence Kills“ wirkt Dominique Dillon de Byington wie ein verschüchtertes kleines Mädchen. Doch wenn die CD im Player liegt und die Lautsprecher aufgedreht sind, wird man schnell eines besseren belehrt. Das junge Mädchen mit dem melancholischen Blick verfügt über ein lautes Stimmorgan und beherrscht die dynamische Klaviatur von ganz laut bis ganz leise.

Dillon gehört zu jener Berliner Szene, in der sich verschiedene Stile mit Electro kreuzen und abwechslungsreiche künstlerische Ergebnisse hervorbringen. Das gilt auch für „This Silence Kills“. Zu kurzen Klavierakkorden und allerlei elektronischen Samples und Geräuschen singt Dillon mit ihrer hellen Jungmädchenstimme über das Geräusch von Laub unter ihren Stiefeln, über Beziehungen, die sich wie Winter anfühlen und andere Schwierigkeiten, die die Liebe so mit sich bringt.

Geboren wurde Dillon in Brasilien, im Alter von vier Jahren kam sie mit ihrer Mutter nach Köln, wo sie auf eine internationale Schule ging und dort 2007 ihr Abitur ablegte. Erst danach fing die Deutsch-Brasilianerin an, ernsthaft Musik zu machen. 2007 setzte sie sich an das elterliche Klavier, fing an zu spielen und sang „The Rate Of Yesterday“. Der Clip erregte bei YouTube Aufsehen und nur ein Jahr später wurde Dillon vom Berliner Indie-Label Kitty-Yo unter Vertrag genommen. Köln verließ sie und zog in eine WG in Berlin-Neukölln, dem zurzeit hippsten Viertel der Hauptstadt – gleichzeitig auch einem der billigsten und deshalb ein Anziehungspunkt für viele Kreative.

Bei Kitty-Yo erschien nur eine Single, und Dillon entschied sich erst einmal dafür, Fotografie zu studieren. Doch neben dem Ausprobieren mit der Kamera schrieb sie weiter Songs. Sie lernte den Produzenten Thies Mynther kennen, der nahm sie unter seine Fittiche und produzierte mit ihr „This Silence Kills“. Obwohl es auf dem Technolabel BPitch Control erschienen ist, enthält es doch viel mehr Pop als Electro. Das Album überrascht mit verschiedenen Klangfarben und bekam glänzende Kritiken. Zurzeit arbeiten Dillon und Mynther an ihrem zweiten Album, vielleicht präsentiert sie am 19.August auf Kampnagel schon ein paar neue Songs daraus.

Dillon Mo 19.8., 20.30, Kampnagel (Bus172/173), Jarrestraße20, Karten zu 17,- im Vorverkauf; www.dillon-music.com