Camille lernt aus den alten Zeiten für die Zukunft

Es läuft aber auch so ziemlich alles schief im Leben der 40 Jahre alten Camille (Noémie Lvovsky). Ihren Traum von der Schauspielkarriere hält sie mit kleinen Auftritten als Mordopfer künstlich am Leben, die große Liebe ihres Lebens lässt sie nach 25 gemeinsamen Jahren für eine Jüngere sitzen. Und sie soll aus der gemeinsamen Wohnung raus, damit diese verkauft werden kann. Das alltägliche Elend ist nur mit kräftigen Schlucken aus Wein- und Whiskeyglas erträglich. Was läge an einem Silvesterabend also näher, als den Frust bei einer Party mit den alten Schulfreundinnen runterzuspülen? Punkt Mitternacht bricht sie ohnmächtig zusammen und wacht erst am nächsten Morgen im Krankenhaus wieder auf. Abgeholt wird sie von ihren Eltern. Moment mal, Mama und Papa waren doch tot! Langsam dämmert es Camille, dass sie im Jahr 1985 aufgewacht und wieder ein 16-jähriger Teenager ist. Und plötzlich durchlebt sie ihr Leben noch mal neu. Und erkennt, dass vor allem sie es ist, die sich ändern muss.

„Camille – Verliebt nochmal“ der französischen Schauspielerin und Regisseurin Noémie Lvovsky entwickelt eine emotionale Tiefe, die sich in kleinen Gesten manifestiert. Wie da von der Liebe und verpassten Chancen erzählt wird, so romantisch und dabei gänzlich unpeinlich, das ist das wahre Wunder dieser bittersüßen Komödie. Am Ende ist womöglich die Vergangenheit nur ein Traum. Die Gegenwart ist unverändert, aber Camille ist eine andere. Die Zukunft liegt vor ihr. Es liegt an Camille, was daraus zu machen.

++++- „Camille – Verliebt nochmal“ F, 2012, 112 Min., o. A., R: Noémie Lvovsky, D: Noémie Lvovsky, Samir Guesmi, Judith Chemla, Mathieu Almaric, täglich im Holi, Koralle; www.camille-derfilm.de