Hollywoods Kinder

Sofia Coppola erzählt in der Komödie „The Bling Ring“ von Luxus und Verlorenheit

Kleider! Schuhe!! Schmuck!!! In den Häusern der Promimädchen und Posterboys quellen die Luxusgüter und Glitzeraccessoires aus allen Schubladen. Die Besucher wähnen sich, während sie sich die Handtaschen mit Zeug vollstopfen, auf einer Privataudienz im Shoppinghimmel, gesponsort von ihren ganz persönlichen Lieblingsstars. An ernsthaftes Verbrechen denkt hier vorerst niemand. Lieber rasch noch ein Foto für die eigene Facebook-Seite machen. „The Bling Ring“ erzählt die (wahre) Geschichte einer gelangweilten Teenagerclique (u.a. gespielt von Emma Watson), die in den Hollywoodhills die Villen von Paris Hilton und Orlando Bloom ausraubte, während die Besitzer außerhalb der Stadt weilten. Eine Information, die dank Internetklatschseiten wie TMZ heutzutage beinahe lächerlich einfach zu recherchieren ist.

Die Regisseurin Sofia Coppola hat bereits so manchen Film gedreht über das Leben der Reichen, Schönen und Bindungsunfähigen. In „The Bling Ring“ tut sie dies noch offensiver als in den Vorgängerfilmen „Somewhere“, der Vater-Tochter-Studie im Chateau Marmont, und „Marie Antoinette“, dem Kostümfilm im Popgewand. Sofia Coppola, Tochter der großen Francis Ford, interessiert die Oberfläche der Dinge, daraus hat sie nie einen Hehl gemacht. Anders als andere Filmemacher lotet sie keine vermeintlichen Tiefen aus, sondern betrachtet die Oberfläche und ihren funkelnden Schein von allen Seiten, mit denkbarer stilistischer Coolness und dem treffenden Sound. „Queen of Zeitgeist“ hat die „New York Times“ Coppola einmal genannt, die eine untrügliche Gabe besitzt, Bilder zu finden für das Leben im haltlosen Irgendwo. Für Überfluss und die Suche nach dem nächsten Kick. Coppolas Kino ist ein Kino des Zeigen, kein auf Pointe geschriebenes Dialogkino.

„The Bling Ring“ ist dabei viel mehr als bloße Kritik an Hollywood-Hohlheit und Promi-Narzissmus — das Schöne ist, dass er niemals moralisiert und sich wertend gegenüber seinen Protagonisten aufschwingt. Gerade über diese Haltung erzählt Coppola eine Menge über das Gefühl, wer man ist und wer man zu sein glaubt. Darüber, wie es Menschen prägt, wenn sie mit sozialen Netzwerken aufwachsen und die Statusmeldung zur Existenzberechtigung anschwillt. „The Bling Ring“ ist ein Film, der so schön und knallbunt ist, dass er den Zuschauer blendet. Wie klug er daneben ist, merkt man erst hinterher.

++++- „The Bling Ring“ USA 2013, 91 Min., ab 12 J., R: Sofia Coppola, D: Isreal Broussard, Katie Chang, Emma Watson, täglich im Abaton (OmU), Cinemaxx Dammtor; www.theblingring.de