Aus dem Getto in die Charts

Der neue Hip-Hop-Star Kendrick Lamar rappt am 12. August in der Großen Freiheit 36

Die Herkunft ist wichtig im Hip-Hop. Je übler der Ruf des Viertels, in dem man aufgewachsen ist, desto besser. Kendrick Lamar, die Neuentdeckung des vergangenen Jahres, liegt ziemlich weit vorn, wenn es um die Nachbarschaft geht, in der er groß geworden ist. Der 27-Jährige stammt aus Compton, einem heruntergekommenen Viertel in Los Angeles. Gangs und Crackdealer beherrschen die Straßen, der Vorort gehört zu den gefährlichsten Gegenden in den USA, die Mordrate liegt achtmal höher als im Landesdurchschnitt. Aber Compton hat auch Musikgeschichte geschrieben. N.W.A. stammt von hier. Die Gruppe zählt bis heute zu den Wegbereitern des Hardcore-Hip-Hop, unter anderen gehörten Ice Cube, Eazy-E und Dr. Dre zu der Truppe, die mit dem eindeutigen „Fuck Tha Police“ ihre bekannteste Nummer hatte.

Dr. Dre, immer noch eine der einflussreichsten Persönlichkeiten im amerikanischen Hip-Hop, hat Lamar schon vor einiger Zeit für sein Label Aftermath Entertainment verpflichtet. Er war bei den Studioaufnahmen von Dres Album „Detox“ dabei, das allerdings immer noch nicht vollendet ist, obwohl es seit mindestens drei Jahren angekündigt wird. Der junge Nachwuchs-Rapper, der mit 16 Jahren seine ersten Mixtapes aufgenommen hatte, ist inzwischen schneller mit der Veröffentlichung seines Albums fertig geworden, als sein Lehrmeister und Idol.

„good kid, m.A.A.d city“ heißt es und hat inzwischen die Millionengrenze an CD-Verkäufen und Album-Downloads überschritten. Compton ist auch das Thema von Kendrick Lamars Album. Es gibt einen gleichnamigen Song, auf dem Dr. Dre dabei ist, aber auch andere Nummern wie „Real“ oder „m.A.A.d city“ erzählen vom Leben in diesem Viertel.

Lamar gehört nicht zu den Bling-Bling-Angebern mit ihren fetten Goldketten und Goldgebissen, er ist der Junge von der Straße, der in Jeans und Turnschuhen auf die Bühne kommt. Er ist ein Geschichtenerzähler schwarzer Wirklichkeit wie es Tupac Shakur war. Der 1996 erschossene Rapper ist ein weiteres wichtiges Vorbild. Die Prinzenkrone als bester Nachwuchs-Rapper trägt Lamar bereits, der Weg auf den Königsthron ist jedoch noch lang.

Kendrick Lamar Mo 12.8., 19.00, verlegt vom Stadtpark in die Große Freiheit 36 (S Reeperbahn), Karten zu 43,70 im Vvk.; www.kendricklamar.com