Die hippen Blutsauger

Die sehr erfolgreiche Indierockband Vampire Weekend spielt in der Großen Freiheit

Puristische Indie-Jünger, für die ihre Lieblingsmusik gleichbedeutend mit vollendetem Weltschmerz ist, rümpfen angesichts der durchgehenden Fröhlichkeit von Vampire Weekend die Nase. Alle anderen lieben die schwer angesagte Band aus New York, die man sich unbedingt als Traumkonstrukt aller Hipster vorstellen muss. Ihr heller Afro-Beat-Punk mit Ezra Koenigs kristallklarem Gesang hatte von Anfang an etwas sensationell Frisches, das die Band ad hoc in die Rolle der Erneuerer und Avantgardisten hievte: Die Franz-Ferdinand- und The-Killers-Fans kannten so etwas noch nicht und hatten sich gerade erst daran gewöhnt, dass Rockbands plötzlich auch ganz seichten Pop machen können.

Der Sound von Vampire Weekend ist überhaupt nicht seicht, sondern ein rhythmusbasiertes, melodienseliges Amalgam von Klangflächen, die auch der olle Paul Simon schon verwendete. Aber bei Vampire Weekend ist der Punk Spirit doch so deutlich in die Songs eingegangen, dass man dann doch nicht von Paul Simon sprechen will. Obwohl die Musik von Vampire Weekend eben nicht wie Punk klingt: Das sind die Widersprüche des Pop, die ihn so herrlich unberechenbar machen.

Dass die Musiker aus Amerika mit ihrer Songkunst einen Nerv treffen, lässt sich nirgends so gut ablesen wie an ihren Chart-Erfolgen, auch wenn die in Zeiten des digitalen Kopierfurors mit kleinerer Münze rechnen. Die Alben zwei und drei stiegen jeweils auf Platz Eins in die Billboard-Albumhitliste ein.

Wobei den Kritikern das neuere dieser Alben, das unlängst erschienene „Modern Vampires Of The City“, als ihr bis dato bestes gilt. Vielleicht auch, weil die Band im richtigen Moment textlich die Welt der privilegierten Ivy-League-Menschen hinter sich ließ und den Fokus auf Themen legte, die beim Älterwerden automatisch aufploppen: dass die Zeit vergeht zum Beispiel.

In Deutschland ist Vampire Weekend übrigens nicht ganz so populär wie in Übersee. Aber die richtigen Leute, die souverän auf dem schmalen Grat zwischen angesagt und geschmackvoll surfen, die haben natürlich jedes ihrer Alben auf dem Rechner.

Vampire Weekend, The Asteroids Galaxy Tour Mi 17.7., 20.00, Große Freiheit 36 (S Reeperbahn), Karten zu 37,75 im Vvk.; www.vampireweekend.com