Der Troubadour

Leonard Cohen singt am 14. Juli in der O2 World

Eigentlich hatte er seinen schwarzen Fedora-Hut schon an den Nagel gehängt. Doch als Leonard Cohen realisierte, dass seine Managerin seine Ersparnisse durchgebracht hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als noch einmal eine Band zusammenzustellen, sich ein Programm aus seinem riesigen Repertoire zu überlegen und auf Tour zu gehen. Auch er muss für seine Rente sorgen. Als der kanadische Grandseigneur im Mai 2008 seinen Trip um die Welt startete, war er immerhin schon 73 Jahre alt und hatte 15 Jahre lang keine Konzertreise mehr unternommen. Doch die Tour wurde zum Triumph und Cohen legte gehörig nach. Seit 2008 hat er so viele Auftritte gegeben, dass er schon fast mit Bob Dylan und dessen „Never Ending Tour“ konkurrieren kann. Außerdem hat Cohen im vergangenen Jahr ein neues Album mit dem Titel „Old Ideas“ herausgebracht, das ihm glänzende Kritiken bescherte.

Es ist erstaunlich, woher der inzwischen 78 Jahre alte Sänger und Schriftsteller die Kraft und die Kreativität für dieses späte Comeback nimmt. Wenn er auf die Bühne kommt, spult er kein 90-minütiges Best-of-Programm ab, sondern entführt sein Publikum auf eine drei Stunden dauernde Reise durch die Verästelungen seiner musikalischen Karriere, die 1967 auf dem Newport Folk Festival begann. Nur zwölf Studioalben hat er in dieser Zeit veröffentlicht, aber Cohen sind in seiner Karriere ein paar Songs gelungen, die längst zu Klassikern geworden sind. „Hallelujah“ ist das berühmteste Beispiel, aber auch „First We Take Manhattan“, „Take This Waltz“ oder „So Long Marianne“ können nicht nur Fans mitsingen.

Vielleicht zieht der Poet seine Inspiration und Stärke aus der Beschäftigung mit dem Zen-Buddhismus. 1996 zog Cohen sich für eine Zeit in das Kloster seines Meisters in der Nähe von Los Angeles zurück, um zu meditieren und die Zen-Lehren zu studieren. Noch immer besucht er das Kloster und tauscht sich mit seinem inzwischen 106 Jahre alten Lehrer aus. Sein buddhistischer Name ist „Jikan“, was übersetzt etwa „einfaches Schweigen“ bedeutet. Sein Schweigen hat Leonard Cohen schon lange wieder gebrochen, aber es hat neun Jahre gedauert, bis er nach dem Album „The Future“ (1992) die „Ten New Songs“ veröffentlichte.

Seit 2008 ist Leonard Cohen unterwegs und singt 25 bis 28 Songs am Abend

Mehr als 300 Auftritte hat Leonard Cohen seit 2008 absolviert, lediglich 2010 hat der schlanke Sänger ein paar Konzerte wegen akuter Rückenprobleme absagen müssen. Inzwischen hat er sein kleines Haus in Los Angeles, wo er zusammen mit Tochter Lorca und seinem Enkel lebt, wieder verlassen, um Europa als Troubadour zu bereisen. Dabei ist sein Repertoire immer auch eine Reise durch die Höhenflüge und Untiefen der Liebe, all die Frauennamen in seinen Liedern legen davon Zeugnis ab. Die Konzerte beginnen mit „Dance Me To The End Of Love“, ein geradezu programmatischer Song.

Leonard Cohen So 14.7., 20.00, O2 World (S Stellingen + Bus 380), Sylvesterallee 10, Karten ab 67,20 über die Abendblatt-Tickethotline T. 30 30 98 98; www.leonardcohen.com