Punkrocker trifft Emanze

„Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ ist ein Jugendfilm, dessen Dialoge authentisch sind

Endlich mal ein deutscher Jugendfilm, der nicht pseudofrech, aber letztlich kreuzbrav in „Hanni & Nanni“-Manier daher kommt. Der nicht mit größter Peinlichkeit haarscharf an der Sprache der Zielgruppe vorbei steuert. Der zwar mit Stereotypen spielt, aber auch echte Typen zeigt.

Max (Tim Oliver Schulz) ist der Coole von der Schule. Ein Punkrocker, der mit seiner Band Systemfehler groß rauskommen will. Der erste kleine Hit des Quartetts ist „Wenn Inge tanzt“. In der schmissigen Nummer besingt Max die Ökoaktivistin der Schule: „Inge epiliert sich nicht, sie ist dagegen / Achselhaare wie Lianen, die sich im Wind bewegen / Scheißfrisur und ungeschminkt, als Mädchen eher ungeil“.

Kein Wunder, dass die Protagonistin des Schmähliedes (Paula Kalenberg) wenig begeistert ist. Doch genau sie könnte die Rettung für die Gruppe sein. Systemfehler hat das Angebot, als Vorgruppe der Indierocker Madsen aufzutreten. Doch kurz vor dieser ultimativen Chance verletzt sich Gitarrist Joscha (Constantin von Jascheroff) beide Hände. Ein Casting soll für Ersatz sorgen, doch die Qualität der Bewerber ist überschaubar. Also muss Max Inge fragen, die vorzüglich klassische Gitarre spielt. Und allein diese Szene zeigt, wie vor allem die Dialoge punktgenau geschrieben sind. Inge, die dankenswerter Weise nicht als Klischeestreberin dargestellt wird, ist überrascht von Max überhaupt angesprochen zu werden und entgegnet: „Was ist denn mit Dir los? Hat YouPorn heute geschlossen?“

Die Geschichte basiert auf dem Drehbuch des Autors Thomas Winkler, der als Lehrer reichlich Einblick in die Lebenswelt der 18-, 19-Jährigen haben dürfte. Zudem erzählt Regisseur Wolfgang Groos, der zuletzt mit „Die Vampirschwestern“ noch einen eher hölzernen Jugendfilm vorgelegt hatte, dass er für „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ auch mal bewusst mit der Straßenbahn gefahren ist, um den Kids aufs Maul zu schauen. Was die Story zudem überzeugend macht, sind die Songs, die von den Darstellern selbst gespielt und gesungen werden. Die heißen „Konsuminfarkt“ oder „Alles ist scheiße“ und könnten so tatsächlich von einer Band stammen, die über die Schulbühne hinaus will. Und wenn Peter Kraus als Max‘ Onkel den gealterten Schlagerstar gibt, ist das zudem ein hübscher Querverweis auf die deutsche Musikgeschichte.

++++- „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ D 2013, 103 Min., ab 6 J., R: Wolfgang Groos, D: Tim Oliver Schultz, Paula Kalenberg, Peter Kraus, Jürgen Tarrach, täglich im Cinemaxx Dammtor/Harburg, UCI Mundsburg/Othmarschen/Wandsbek, Studio-Kino; www.systemfehler-wenningetanzt.de