Menschlich gesehen

Jedermanns Frau

Auf dem Schreibtisch von Cornelia Bock steht ein kleiner Gelenkbus. Ein Geschenk, das ihre Arbeit beim Theater in der Speicherstadt mit sich brachte: 2011 wollte ein Busfahrer die Straße Auf dem Sande trotz der Aufführung des „Hamburger Jedermann“ partout passieren und die Sperrung aufheben. Später kam der Fahrer mit einer Vertreterin der Verkehrsleitzentrale und dem Bus-Modell als Entschuldigung vorbei.

Von Freitag an ist Geschäftsführerin Bock wieder für alles gewappnet, dann geht die Freiluft-Inszenierung in ihre 20. Spielzeit. Auch für die 59-Jährige, in Witten an der Ruhr geboren, ist es ein Jubiläum. „Zunächst war es ja ein einmaliges Projekt“, erzählt sie. In den beiden ersten Jahren jobbte sie nur in den Semesterferien. Damals war sie, die seit Ende der 70er in Hamburg lebt, Dozentin für Erziehungswissenschaft an der Uni Dresden. „Die Liebe zum Theater“ veranlasste sie, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Heute führt sie in der Saison bis zu 70 Angestellte. Dennoch ist „Conni“ bei jeder Vorstellung vor Ort, hilft, wenn etwa ein Schauspieler von einer Wespe gestochen wird oder Kostüme ins Brooksfleet fallen.

Nur die Zeit, andere Open-Air-Inszenierungen zu besuchen, fehlt der Theaterfrau. Ihr Mann Michael Batz ist als Autor des „Jedermann“ originär dafür verantwortlich. Muße finden Bock und Batz erst im Dezember: Mit dem Flieger geht es nach Lanzarote. Dort reicht das Schauspiel der Natur.