Quellen der Hilfe

Die Dokumentation „BLUganda: Ein Afrikatrip“ zeigt, welche Erfahrungen Vertreter von Viva con Agua und deutsche Rap-Stars in Uganda machten

Hamburg. Reisen bildet. Reisen öffnet auch neue Horizonte. Wenn dann noch der Fußball ins Spiel kommt, kann es zu unerwarteten Begegnungen kommen. Und so stehen sich in einem Stadion der ugandischen Hauptstadt Kampala zwei Teams gegenüber, die sich so noch nie formiert haben: die Kampala Allstars und eine Auswahl von Viva con Agua de Sankt Pauli.

Projektreisen hat die 2005 gegründete Hamburger Trinkwasserinitiative schon einige organisiert. Viva con Agua, das sich als international offenes Netzwerk versteht, kooperiert eng mit der Welthungerhilfe. Für das kreative Erschließen von inzwischen mehr als zwei Millionen Euro an Spendengeldern auf den Spielfeldern Fußball, Kunst und Musik war Viva-con-Agua-Gründer Benjamin Adrion stellvertretend bereits 2009 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

In diesem Februar jedoch reiste erstmals ein Team eines Fernsehsenders mit, um in „BLUganda: Ein Afrikatrip“ mit zwei Filmen zu dokumentieren, wie Spendengelder aus Deutschland dort eingesetzt werden und woran es in zahlreichen afrikanischen Ländern noch hapert. Moderator Rainer Maria Jilg (ZDFkultur) und Autorin Jasmin Taiebi begleiteten eine Hamburger Gruppe mit auswärtigen Stars der deutschsprachigen Rap-Szene.

Ex-St.-Pauli-Profi Marcel Eger und der Rostocker Marteria reisten gemeinsam

So reisten außer dem Streetart-Künstler Achtern vom Hamburger Künstlerkollektiv Los Piratoz, Viva-con-Agua-Aktivist Michael Fritz vom Künstlerduo strassenkoeter, dem Fotografen Paul Ripke und dem ehemaligen St.-Pauli-Profi Marcel Eger noch die Musiker Marteria und Maeckes in das ostafrikanische Land. Was insofern brisant war, als dass Eger als leidenschaftlicher St. Paulianer und Viva-con-Agua-Förderer der ersten Stunde auf den mindestens ebenso passionierten Beinahe-Rostocker Profi Marten Laciny alias Marteria traf. Der FC St. Pauli, im Fußball-Deutschland gern auf dem linken Flügel angesiedelt, und der FC Hansa Rostock (rechts, zuweilen noch immer rechtsaußen) sind sich seit mehr als zwei Jahrzehnten spinnefeind.

Als die Reisegruppe im Jeep alsbald nach der Ankunft in den extrem trockenen Norden Ugandas, ein ehemaliges Bürgerkriegsgebiet, fährt, ist für verbale Scharmützel indes keine Zeit. Nicht nur Eger und Marteria, das ganze Team wird von der herzlichen, fast überschwänglichen Begeisterung der Bewohner des Dorfs Odonoyere überrascht. Hier hat der Brunnenbau bereits zu sauberem Trinkwasser und damit zu verbesserten Lebensbedingungen geführt. Die Dokumentation zeigt auch die Kontraste: wie sich etwa die deutschen Unterstützer andernorts abmühen, 20-Kilo-Kanister mit Wasser auf dem Kopf zu tragen, weil kein Brunnen mit sauberem Trinkwasser in der Nähe ist und es an sanitären Einrichtungen mangelt. Nachdenklich steht Rapper Maeckes mit seinem Kollegen vor einem grün-grauen Wasserloch: „Wir wollen, dass das Wasser hier sauberer ist und weniger Leute in diesem Dorf ‚Flitzkacke‘ bekommen“, begründet der schwäbische Musiker an Ort und Stelle sein Engagement.

„Jetzt wissen wir, warum wir uns auf der Bühne mit leeren Bechern bewerfen lassen“, wird Marteria später sagen. Die Erlöse aus dem Sammeln von Pfandbechern bei Konzerten und Festivals sind von jeher eine Basis des Viva-con-Agua-Fundraisings. Dass der Hilfsansatz fast immer interkulturell ist, spiegelt die Dokumentation wider. In Kampala beginnen Marteria und Maeckes aufgrund ihrer Eindrücke einen Song zu schreiben. Sie haben nur den Beat und ein paar Textbrocken, als sie die ugandischen Rap-Brüder Sylvester & Abramz treffen. Gemeinsam gehen sie ins Tonstudio, um einen neuen Song für Viva con Agua aufzunehmen, „Blue Uganda“ (inzwischen auf YouTube mehr als 520.000-mal geklickt). Beim Videodreh des Songs lässt sich Fotograf und Videoblogger Paul Ripke nur kurz von der Aushilfsausrüstung und Stromausfällen von seiner Linie abbringen. Und dass der Konzertabend vor dem Goethe-Institut in Kampala erstens zustande kommt und zweitens zu einem deutsch-ugandischen Freudenfest wird, war vor der Reise nicht unbedingt zu erwarten.

Bliebe noch das Fußballspiel: Bei dem zählen ja nur die Tore. Dass Marteria beim 5:3-Erfolg von Viva con Agua trotz Egers Mitwirken gleich vier erzielte, war für den verhinderten Rostocker Profi „persönlich das größte Erlebnis“. Das Singen der Hymne vor dem Spiel klang jedoch bei den Kampala Allstars wesentlich harmonischer ...

„BLUganda: Ein Afrikatrip“ Do 11.7., 20.15 Uhr und 21.15 Uhr, ZDFkultur, Mi 17.7., 0.25 Uhr, 3sat

Veranstaltung Do 11.7., ab 19.10 Uhr im Clubheim des FC St. Pauli, Eintritt frei, Spenden möglich