Konzert im Stadtpark

Patti Smith: Die wahre Schamanin der Rockmusik

Die US-amerikanische Sängerin, Poetin und Aktivistin Patti Smith kommt mit ihrer Band und dem fantastischen neuen Album „Banga“ am 6. Juli nach Hamburg in den Stadtpark.

Wenn Patti Smith mit ihrer Band am 6. Juli im Stadtpark auftritt, werden nicht nur Fans der Generationen Ü40 und Ü50 vor der Open-Air-Bühne stehen, wie das oft bei Konzerten von Rockveteranen gang und gäbe ist. Smith, Jahrgang 1946, ist bis heute ein Idol für Teenager und Twens. Das hängt mit ihrer kompromisslosen Haltung, ihrer eigenen Wahrhaftigkeit und ihrer Authentizität zusammen, an der junge Leute sich ein Beispiel nehmen. Sie hat sich nie kommerziell verbogen und an Moden orientiert, sie hatte immer ihren eigenen Stil.

In den 70er-Jahren entwickelte sich Patti Smith zur Urmutter des US-Punk

Als Blondie in den 70er-Jahren in New York aus dem Untergrund zur gefeierten Pop-Ikone aufstieg, verwandelte Smith sich wie eine Antipodin in einen krakeelenden „Rock ’n’ Roll Nigger“ und gesellschaftlichen Außenseiter. Mit Alben wie ihrem Debüt „Horses“ und „Easter“ wurde sie zur Urmutter des amerikanischen Punk, und das, obwohl sie in erster Linie gar keine Musikerin war, sondern Dichterin.

Nachdem Patti Smith ihr ärmliches Elternhaus in Michigan verlassen hatte und 1967 nach New York gezogen war, schrieb sie Gedichte und veröffentlichte sie in den Magazinen der Beat-Generation. Erst einige Jahre später fing die junge Künstlerin an zu singen, angespornt von ihrem damaligen Lebensgefährten Robert Mapplethorpe und befreundeten Musikern. Detailliert hat Patti Smith diese Phase ihres Lebens in dem Buch „Just Kids“ erzählt. Wie wenige Künstlerinnen vor ihr verschmolz sie Rock’n’Roll und Dichtung miteinander. Einen Grammy Award hat sie für ihre Songs bisher nicht gewonnen, stattdessen den National Book Award. Im Jahr 2010 wurde „Just Kids“ in der Sparte Sachbuch mit dem renommierten Preis geehrt.

Patti Smith ist nicht nur Poetin und Sängerin, sondern auch Malerin, Fotografin, Performerin und politische Aktivistin. Mit ihrem Allroundtalent erreicht sie Kunstinteressierte aus verschiedenen Bereichen und unterschiedlichen Schichten. 2006 zum Beispiel zeigte die Trolley Gallery in London die Ausstellung „Sur le traces“ mit Polaroidfotos von ihr, die wiederum dazu dienten, Geld für ein Fotoprojekt von Paolo Pellegrin zu sammeln. Der hat unter dem Titel „Double Blind“ ein aufwühlendes Buch über den Bürgerkrieg im Libanon veröffentlicht. Neue Musik hat Patti Smith im Laufe ihrer langen Karriere auch immer wieder herausgebracht. Im vergangenen Jahr erschien ihr hoch gelobtes elftes Studioalbum „Banga“. Die herausragende Platte endet mit dem epischen Zehn-Minuten-Song „Constantine’s Dream“.

Das neue Album „Banga“ ist gespickt mit historischen Anspielungen

Inspiriert zu dieser düsteren Weltklage wurde Patti Smith von einem Fresko, das im italienischen Arezzo hängt. „Banga“ ist gespickt mit literarischen und historischen Anspielungen. „Amerigo“ zum Beispiel erinnert an den Entdecker, Eroberer und Namensgeber Amerikas, an Amerigo Vespucci. Der römische Philosoph Seneca und der Filmregisseur Andrej Tarkowski („Solaris“, „Stalker“) dienen ihr ebenso als Titelgeber wie der Hund „Banga“, auf den sie bei der Lektüre von Michail Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“ gestoßen ist.

Das New Yorker Wochenmagazin „Village Voice“ nannte Patti Smith einst die „einzig wahre Schamanin in der Rockmusik“. Vielleicht versetzt sie das Stadtpark-Publikum in Trance. Die Kraft dazu besitzt sie.

Patti Smith and her Band Sa 6.7., 19.00,

Stadtparkbühne (SAlte Wöhr), Saarlandstraße/

Ecke Jahnring, Karten zu 46,50 im Vorverkauf;

www.pattismith.net