Das volle Griffbrett

Die Gitarre und nur die zählt bei Joe Satriani und Oli Brown am 22. Juni in der Fabrik

„Es gibt keine guten oder schlechten Gitarristen“, erzählte Uli Jon Roth kürzlich bei einem Plausch auf der „Full Metal Cruise“, „auch der blutigste Anfänger bringt seine Persönlichkeit, seine Seele in sein Spiel ein. Darum klingt jeder Gitarrist anders.“ Roth muss es wissen, gilt der ehemalige Saitenbieger der Scorpions doch als vielleicht bester deutscher Gitarrist überhaupt. Moment, es gibt ja kein gut oder schlecht. Also, halten wir einfach fest: Roth ist ein besonderer Gitarrist.

Auch Joe Satriani kann einiges an den sechs Saiten, wie vor einem Jahr im Stadtpark zu erleben war. Zusammen mit Steve Morse, seinem Nachfolger bei Deep Purple, sowie Steve Vai besuchte er auf der „G3“-Tour die Freiluftbühne und zeigte mit Solo-Auftritten und Duellen, was am Instrument unmöglich scheint aber möglich ist. Morse gab den grundsoliden, etwas altmodischen Blues-, Hard- und Southern-Rocker. Vai zelebrierte sein Ego, drehte sich (Gitarristen-Klischee!) lauter als seine Band und raste das Griffbrett rauf und runter. Und Satriani war der logische Kompromiss, virtuoser als Morse, sensibler als Vai und angenehm frei von geckenhafter Egozentrik. Kurz: Wer Rock lieber mit Sänger erlebt, hatte eher weniger Spaß bei dieser dreistündigen Orgie des Schrubbens, Pickens, Tappens, Tremolierens und Wah-Wah-Jaulens.

Das Gleiche gilt auch für Joe Satrianis 14. Studioalbum „Unstoppable Momentum“ (2013), auf dem der gebürtige Long Islander wieder viel Forschungsmaterial für Musikakademiker vorstellt. Tonleitern, Skalen, die den Gesang ersetzenden Melodielinien und kleine, eingestreute Tricks perlen in flüssiger Folge von Barock bis Rock über elf Titel hinweg.

Aufgenommen wurde „Unstoppable Momentum“ übrigens mit Mike Fraser (AC/DC, Franz Ferdinand) im Skywalker Sound Studio von George Lucas, wo Soundtracks und Effekte einer langen Liste von Hollywood-Blockbustern entstanden. Das Beste ist gerade gut genug, und so gehört ein Oli Brown am 22.Juni in der Fabrik ins Vorprogramm. Mit nur 23 Jahren zählt Brown, ein ausgewiesener Bluesboy, zu den größten britischen Talenten an den sechs Saiten. Ein besonderer Gitarrist ist das. Irgendwer muss die Fackel ja mal übernehmen.

Joe Satriani, Oli Brown Sa 22.6., 21.00, Fabrik (SAltona), Barnerstraße 36, Karten zu 42,- im Vorverkauf; www.satriani.com