Das Beste ist genug

Erdiger kanadischer Rock mit Bryan Adams am 20. Juni auf der Stadtparkbühne

Gegrillt wird nicht, wenn Bryan Adams zu seinem Stadtpark-Konzert nach Hamburg kommt. Zumindest nicht im Backstage-Bereich für ihn und seine Band. Denn der gebürtige Kanadier ist seit Ende der 80er-Jahre strikter Veganer. Überwiegend ernährt er sich von Früchten und rohem Gemüse, als Lieblingsgericht nennt er rohe Mini-Artischocken mit Zitrone und Avocado. „1988 bin ich aufgewacht, nachdem ich ein Steak gegessen hatte und fühlte mich richtig krank. Seitdem habe ich nie wieder ein totes Tier gegessen“, sagt er. Vegetarier gibt es einige im Rock-Business, doch der 63 Jahre alte Gitarrist will nicht so recht in das Raster eines Rockmusikers passen. Skandale und Drogenexzesse finden sich keine in seiner Biografie. Im Gegenteil: Bryan Adams ist ein richtiger Gutmensch, immer wieder hat er sich in der Vergangenheit für soziale Projekte stark gemacht.

Natürlich war er in den 80er-Jahren bei Live Aid und dem Konzert für Nelson Mandela dabei. Adams hat für Greenpeace und Amnesty International in die Saiten gehauen, er engagierte sich für politische Gefangene, nahm 2004 am kanadischen Benefizkonzert für die Tsunami-Opfer teil und rief 2011 Kollegen auf, gemeinsam mit ihm ein Konzert für die Opfer des Seebebens und der anschließenden Nuklearkatastrophe in Japan zu geben. Seine eigene Bryan Adams Foundation hat er auch gegründet, sie kümmert sich um hilfsbedürftige Menschen in aller Welt.

Inzwischen bekommt Adams mehr positive Presse für seine verschiedenen Aktivitäten als für seine Musik. Sein bisher letztes Album mit dem schlichten Titel „11“ hat er schon 2008 veröffentlicht, im Popgeschäft also vor einer halben Ewigkeit. Aber der Diplomatensohn hatte kürzlich Wichtigeres zu tun, als in irgendwelchen Studios abzuhängen. Im April 2011 kam Tochter Mirabella Bunny auf die Welt, in diesem Februar folgte Lula Rosylea. Damit er nicht in Vergessenheit gerät, war er jedes Jahr auf Tour, ohnehin für die meisten Musiker eine lukrativere Einnahmequelle als der Verkauf von CDs oder Downloads.

Gefragt ist Adams inzwischen auch als Fotograf. 2006 erhielt er den renommierten LeadAward, im vergangenen Monat ist eine Ausstellung mit seinen Bildern in Düsseldorf zu Ende gegangen. Seit Ende der 90er-Jahre hat der Rockmusiker die Gitarre immer wieder mit dem Fotoapparat getauscht und anfangs vor allem Porträts berühmter Kollegen gemacht. Seine engen Kontakte ermöglichten intime Momente mit Mick Jagger, Amy Winehouse und Tilda Swinton, doch auch Politiker wie Hillary Clinton und Michail Gorbatschow ließen sich von ihm ablichten. Besonders eindrucksvoll waren in Düsseldorf die Aufnahmen, die er von Kriegsheimkehrern gemacht hat – Bilder von traumatisierten oder schwer verletzten Männern, die sich nur mithilfe von Prothesen vorwärts bewegen können.

Musikalisch hatte Adams seine stärkste Phase in den 80er- und 90er-Jahren. „Summer Of ’69“ ist bis heute allerbester Stadionrock, seine raue Stimme ist prädestiniert für Rockballaden, von denen Adams ebenfalls jede Menge im Repertoire hat. „Cuts Like A Knife“, „Run To You“ und „It’s Only Love“ zählen weiterhin zu seinem Programm. Da er kein neues Album promoten muss, kann Adams sich ganz auf seine stärksten Nummern aus seiner mehr als 30 Jahre dauernden Karriere konzentrieren. Seine Fans werden für das ausführliche „Best Of“-Programm sicher dankbar sein.

Bei einem Auftritt kürzlich in Dänemark hatte er 26 Songs im Repertoire. Klingt nach einem ordentlichen Zwei-Stunden-Programm. Da ist die Zeit zu schade, in langen Schlangen vor den Grillbuden zu stehen. Wäre auch in Adams’ Sinne, das zu lassen, denn einer seiner Ratschläge lautet: „Wenn du Tiere liebst, dann iss sie nicht.“

Bryan Adams, Racoon Do 20.6., 19.00, Stadtparkbühne (S Alte Wöhr), Saarlandstraße, Eintritt: 80,- (Ak.); www.bryanadams.com