Offen gesagt

Etwas bleibt immer haften

Eine Glosse von Tino Lange

Es gibt Orte in Hamburg, die es nicht geben darf. Die es aber geben muss. Gerade, wenn man mal muss. Wer sie besucht, hat das Gefühl, göttlicher Komödiant im Sinne Dantes zu sein: „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren“, denn dort in den verdreckten Toiletten der Kneipen auf dem Hamburger Berg heult uns aus der Tiefe des Höllentrichters der Menschheit ganzer Jammer entgegen.

Doch auch dort könnte Ihre Werbung stehen. Wer sich in „Lunacy“ oder „Rosis Bar“ auf die ziemlich mitgenommenen Örtchen wagt, bekommt dank zahlreicher Aufkleber einen Überblick über den Musik-Untergrund in Hamburg und Umgebung vermittelt. Denn hier haben Gruppen mit freundlich klingenden Namen wie „Post Natal Abortion“ oder „Reign – hatefueled Blackdoom“ ihre Spuren hinterlassen. Hoffen sie tatsächlich, dass sie bis zum Nachhausekommen im Gedächtnis bleiben? Oder dass man das Smartphone zückt und den auf dem Aufkleber markierten QR-Code, zum Beispiel von „The Oracle Machine“, scannt? Und wie muss ein Aufkleber gestaltet sein, um in der PVC-Wüste von halb abgeknibbelten Band-, Antifa- und Ultrà-Sankt-Pauli-Stickern aufzufallen?

Zumindest entdeckt man bei jedem Besuch wieder etwas Neues, ein Abziehbild der Subkultur sozusagen. Nur gucken, nicht anfassen und wieder vergessen. Aber ein besonders interaktiver Sticker ist im Gedächtnis haften geblieben: „Raum für Notizen“.