Künstlerin: „Hamburg rettet mein Jahr“

Ulla von Brandenburg erhält den hochdotierten Kunstpreis Finkenwerder 2013

Hamburg. Manche Arbeiten von Ulla von Brandenburg brauchen Platz. Derzeit errichtet sie im Kunsthaus eine ihrer raumgreifenden Installationen, für die sie neben handlicheren Aquarellen, Zeichnungen, Scherenschnitten und Wandbildern bekannt ist. Am Montagabend hat die bereits vielfach ausgezeichnete in einer Feierstunde für ihr künstlerisches Schaffen den Kunstpreis Finkenwerder 2013 erhalten. Der vom Flugzeugbauer Airbus und der Baugenossenschaft Finkenwärder-Hoffnung e.G. gestiftete Preis gilt mit 20.000 Euro als einer der am höchsten dotierten Kunstpreise überhaupt.

Der Preis freue sie ungemein, sagt Ulla von Brandenburg, die nach Studienjahren in Karlsruhe und Hamburg heute mit ihrer Familie in Paris lebt. Was sie mit dem Geld vorhabe? „Hamburg rettet mein Jahr“, sagt sie. Natürlich fließt das Geld in ihr nächstes, wieder aufwendiges Kunstprojekt. Im Sommer dreht sie auf dem Airbus-Gelände einen neuen Film.

Im Theater wie im Leben übernimmt der Mensch verschiedene Rollen

Anlässlich der Preisverleihung zeigt sie im Kunsthaus ab dem 14. Juni ihre Installation „Shadowplay“, ein Patchwork aus bemalten Stoffen als Zelt, darin ein filmisch projiziertes Schattenspiel gleichsam als Theater im Theater. Die Schauspieler führen ein Puppenspiel auf, singen Lieder, spiegeln den Kontext des Rollenspiels. „Mir geht es um den Charakter des mobilen Theaters, das Auf- und Abbauen, die Inszenierung des Raumes“, sagt Ulla von Brandenburg. „Ich beziehe das Theater aber auch auf die Organisation der Welt, in der jeder Mensch Rollen übernimmt.“ Theater und Performance zählen neben Film und Fotografie zu den wichtigsten Inspirationsquellen der Künstlerin. Mit ihrer Hilfe verhandelt sie Existenzfragen oder das Zusammenbrechen alter und Entstehen neuer Welten. Mit Vorliebe kombiniert die 39-Jährige Einflüsse, collagiert und remixt.

Ihre Lehrer beim Studium der Freien Kunst an der HFBK Hamburg, darunter Cosima von Bonin, Stephan Dillemuth und Eran Schaerf hätten sie zu einem spielerischen Ansatz ermuntert, sie eher in der Aktion bestärkt als im exakt abgezirkelten Weg. Es scheint der richtige gewesen zu sein.

Ulla von Brandenburg: „Shadowplay“ 14.6. bis 4.8., Kunsthaus Hamburg, Klosterwall 15, Di bis So 11.00 bis 18.00; www.kunsthaushamburg.de