In der Hölle einer Löwenmutter

Cornelia (Luminita Gheorghiu) ist eine erfolgreiche Architektin um die 60 in Bukarest. Ihren 35 Jahre alten Sohn Barbu (Bogdan Dumitrache) liebt sie abgöttisch. Da ihre Ehe nur noch Routine ist, projiziert sie auch noch Gefühle auf Barbu, die eigentlich ihrem Mann hätten gelten sollen. Barbu ist zwar gerade mit seiner Freundin Carmen (Ilinca Goia) zusammengezogen, aber er schafft es einfach nicht, sich von seiner dominanten Mutter zu lösen. Und dann verursacht er einen Autounfall, bei dem ein Kind stirbt. Wie eine Löwin stürzt sich Cornelia ins Getümmel und versucht, Barbu vor einer Strafe zu bewahren. Sie beseitigt Beweismittel und bietet einem korrupten Polizisten an, ihm mit einer Baugenehmigung zu helfen.

Das rumänische Familiendrama erzählt die Geschichte einer Amour fou

„Mutter und Sohn“ ist ein Familiendrama über einen Mann, der sich nie wirklich von seiner Mutter abgenabelt hat und von ihrer liebevollen Umarmung langsam erstickt wird. Sie wiederum projiziert all ihre Hoffnungen und Sehnsüchte auf ihn und behindert dadurch seine und ihre eigene Entwicklung. Im Grunde erzählt Regisseur Calin Peter Netzer in seinem Film die Geschichte einer Amour fou. Es gelingt ihm in seiner meisterhaften Inszenierung große Gefühle freizusetzen.

Man kann diese Cornelia für ihre Unerbittlichkeit sowohl hassen als auch bedauern. Der rumänische Regisseur bleibt mit der Kamera immer sehr nah dran am Geschehen. Beim emotionalen Höhepunkt, dem Besuch bei den Eltern des toten Jungen, lässt er lange Passagen ungeschnitten und erzeugt so eine besondere Mischung aus Nähe und Dramatik. Völlig zu recht gewann Netzer mit diesem virtuosen Film, dem die Hauptdarstellerin ihren Stempel aufdrückt, den Wettbewerb bei der Berlinale 2013.

++++++ „Mutter und Sohn“ Rumänien 2013, 112 Min., ab 12 J., R: Calin Peter Netzer, D: Luminita Gheorghiu, Bogdan Dumitrache, Ilinca Goia, täglich im Abaton, Holi, Passage u. Zeise; www.mutterundsohn.x-verleih.de