St.Pauli

Kulturzentrum Nochtspeicher feiert in dieser Woche Richtfest

Im September ist die Eröffnung. Im Nochtspeicher soll es ab dem Spätsommer täglich Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Vorträge geben. Räume des Kulturzentrums können auch angemietet werden.

Hamburg. Der Szene-Stadtteil St.Pauli bekommt ein neues Kulturzentrum. Im Nochtspeicher soll es ab dem Spätsommer täglich Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Vorträge geben. Betrieben wird der Nochtspeicher von einem unlängst gegründeten Kulturverein, der die zwei Etagen des historischen Niebuhrspeichers von der Lawaetz-Stiftung mietet.

Wo früher das durchaus auch künstlerisch ehrgeizige Erotic Art Museum war, wird ab September die Kultur noch breit gefächerter Hof halten, und eine der sieben Nochtspeicher-Kuratorinnen ist die Hamburger Autorin Tina Uebel. „Der Bedarf auf St. Pauli ist immer da nach Orten der Kultur – für viele ist der Kiez ja nur noch eine Party- und Saufmeile“, sagt Uebel, die wie ihre Mitstreiter Friederike Moldenhauer, Kristian Sievers, Detlef Hellwege, Frank Hauswedell und Daniel Zawistowski vielfach in anderen Zusammenhängen hervorgetreten ist, etwa als Initiatorin des Machtclubs. Karsten Wagner von der Lawaetz-Stiftung komplettiert die Riege. Entstanden ist das Projekt nach dem Streit um das Bernhard-Nocht-Quartier. Die Lawaetz-Stiftung erwarb einen Teil des Quartiers, in dem nun in etlichen Wohnungen genossenschaftlich gelebt wird – und in dem die Stiftung laut städtebaulichem Vertrag Räume für Kultur bereitstellen muss.

„Und natürlich auch will“, sagt Karsten Wagner, in dessen Händen die Koordination des Nochtspeichers liegt. Der soll ein interdisziplinäres Spielfeld sein und „mehr Heimathafen als Eventlocation“. Die Räumlichkeiten erstrecken sich in dem 160 Jahre alten Backsteinbau auf 340 Quadratmetern und sind reizvoll, im Gewölbekeller wird eine Kneipe eingerichtet.

Die verschiedenen Disziplinen teilen sich die Woche fair untereinander auf, in der es feste Termine für Literatur (dort ist eine Reihe mit dem mairisch Verlag verabredet), Architektur & Städtebau, Social Dance (Tango- und Swingabende), Konzerte und Streitgespräche geben soll. Zur Eröffnung im September ist eine Festivalwoche geplant. „Der Nochtspeicher ist als Spielwiese gedacht, auf der sich jeder austoben kann, wir wollen Netzwerke schaffen“, erklärt Tina Uebel.

Das klingt alles ziemlich gut, vor allem, weil Offenheit Programm ist in der Bernhard-Nocht-Straße: Die Räume des Kulturzentrums können auch von anderen Institutionen und Veranstaltern angemietet werden. Die Macher erhoffen sich also nicht nur, ein wichtiger räumlicher und ideeller Bestandteil der Szene zu werden – sie sind ein bisschen auch auf Einnahmen angewiesen. Die Kulturbehörde schießt zwar Geld dazu, und Senatorin Barbara Kisseler kommt am Mittwoch auch zum Richtfest nach St. Pauli, aber „wir müssen selbst noch Gelder einwerben“, sagt Uebel, die wie ihre Kompagnons mit viel Idealismus an die Sache herangeht. Crowdfunding soll nun die Lösung sein, um den Nochtspeicher finanziell so auszustatten, dass er sich schnell als Kulturort etabliert. Ehrgeizig sind dessen Geburtshelfer in vielerlei Hinsicht: Das ehemalige Erotikmuseum soll künftig nicht nur ein Ort für Lokalhelden, sondern auch einer für internationale Gäste sein.

Alle Informationen zum Nochtspeicher finden sich im Internet unter www.nochtspeicher.de