Offen gesagt

Rein kommt nur, wer sich auskennt

Ein Kommentar von Holger True

Da staunten die Fans der britischen Indierocker The Vaccines nicht schlecht: Als sie ein Konzert der Band im nordwalisischen Llandudno besuchen wollten, reichte es nämlich nicht, das Ticket am Eingang vorzuzeigen, oh nein. Mindestens zwei Albumtitel musste nennen, wer vorhatte, in den Club zu gelangen. Als Bonus waren ein paar einzelne Songtitel und der Name des Sängers gefragt, sonst hieß es: „Du musst leider draußen bleiben.“

Was auf der Insel für einen kleinen Skandal sorgte, ist eigentlich eine bestechende Idee, die jeder unterstützen dürfte, der schon mal erleben musste, wie Dauerquatscher, die weniger an der Band und mehr an Diskussionen mit dem begleitenden Freundeskreis interessiert sind, auch die besten Konzerte verderben können. Oder der beim Run auf die heiß begehrten „Front of Stage“-Tickets für Bruce Springsteen leer ausgegangen ist und später sieht, wie Leute in die vordersten Reihen marschieren, die „Born in the U.S.A.“ immer noch für ein patriotisches Kampflied halten. Da könnte eine harte Tür deutlich weiterhelfen und die Spreu vom Weizen trennen. Sogenannte „Modefans“ wären bei diesem Procedere künftig außen vor, wurde sogleich in zahlreichen Internet-Foren frohlockt. Aber Achtung: Bei einer solchen Form der Fan-Auslese dürften die meisten Konzertsäle und Stadien nur noch zu einem Bruchteil gefüllt sein. Springsteen oder Madonna könnten sich das notfalls wohl leisten. The Vaccines eher nicht. Weshalb künftig auch bei ihnen wieder jeder reinkommen soll, der eine Karte gekauft hat.

Aber eine interessante Idee war’s schon.