Findungskommission

Drei Herren können beim WDR Intendant werden

„Tagesthemen“-Moderator Tom Buhrow machte eine gute Figur vor der Findungskommission. Buhrows Konkurrent Jan Metzger, bisher Intendant von Radio Bremen, soll bei seiner Vorstellung geschwächelt haben.

Hamburg. Beim WDR haben sie ein Faible für Journalisten auf dem Intendantenstuhl. Monika Piel, die ihren Posten am 30. April niedergelegt hat, ist gelernte Journalistin. Journalisten waren auch ihre Vorgänger Fritz Pleitgen und Friedrich Nowottny. Seit 1985 stand kein Angehöriger eines anderen Berufsstands an der Spitze des Senders.

Insofern ist es wenig überraschend, dass jeder der drei Kandidaten, die von der Findungskommission nun dem WDR-Rundfunkrat präsentiert werden, schon mal als Journalist gearbeitet hat. Der Bekannteste von Ihnen ist der „Tagesthemen“-Moderator Tom Buhrow, den die Deutsche Presse-Agentur ob seiner Prominenz bereits als „Favorit für die WDR-Intendanz“ sieht. Dabei spricht auf den ersten Blick eher wenig für den 1958 in Troisdorf bei Köln geborenen Kandidaten, der nun in Othmarschen wohnhaft ist und vor seinem Engagement bei den „Tagesthemen“ lange Jahre für den WDR arbeitete.

Buhrow gebricht es nicht nur an der notwendigen Führungserfahrung, um einen Sender mit 4000 Mitarbeitern und einem Jahresetat von 1,4 Milliarden Euro leiten zu können. Ihm hängt auch noch die unschöne Affäre um seine Nebenverdienste nach. 2009 enthüllte das NDR-Medienmagazin „Zapp“, dass Buhrow für ein Gespräch mit dem SPD-Politiker Kurt Beck für das „Henkell & Söhnlein Forum“ mehr als 10.000 Euro kassiert hatte. Für einen Auftritt des wegen der Finanzkrise abgesagten „Kapitalmarkt Forums“ der Deutschen Bank sollte er gar mit 20.000 Euro entlohnt werden.

Für die Findungskommission ist die Affäre aber offenbar verjährt. Zudem soll Buhrow sie mit einem starken Auftritt überzeugt haben. Wenn sie einen erfahrenen Manager haben wolle, sei er der falsche Mann, soll der „Tagesthemen“-Moderator gesagt haben. Wenn sie aber einen versierten Kommunikator an der Spitze eines starken Teams benötigte, sei er der Richtige. Das machte offenbar Eindruck.

Dagegen soll Buhrows Konkurrent Jan Metzger, bisher Intendant von Radio Bremen, bei seiner Vorstellung geschwächelt haben. Umstritten ist beim WDR, ob die Bilanz des 57 Jahre alten ehemaligen Hörfunkjournalisten als positiv zu bewerten ist. Ohnehin nur Außenseiterchancen besitzt Stefan Kürten, Direktor für Sport & Geschäftsstrategie der Europäischen Rundfunkunion. Der ehemalige stellvertretende Leiter der ZDF-Hauptredaktion Sport hat sich als einziger der drei Kandidaten selbst für den Intendantenposten beworben. Seine Präsentation soll allerdings ebenfalls ganz ordentlich gewesen sein. Entscheidend ist nun, welche Figur das Trio vor dem WDR-Rundfunkrat abgibt, der am 29. Mai den neuen Intendanten wählt.