Tatort

Kommissar Borowskis Gespür für Schnee

Der „Tatort“ „Borowski und der brennende Mann“ von Regisseur Lars Kraume mit Axel Milberg und Sibel Kekilli erzählt von Fremdenhass und Rache. Ein spannender Krimi mit einem Kommissar mit Gespür für Schnee.

Schneehäubchen auf den Baumwipfeln, ein bunter Wollschal, der nach Weihnachtsgeschenk aussieht, um den Hals des Kommissars und ein Lucia-Umzug mit Mädchen in Engelsgewändern. Wer schon genug hat von den ersten Sonnenstrahlen des Jahres, sollte an diesem Sonntag dringend den „Tatort“ einschalten, der ein paar Monate zu spät auf den Bildschirm drängt. Oder eben zu früh, wie man es nimmt. Andererseits passt die winterliche Stimmung natürlich viel besser zu Klaus Borowski, diesem aus der Zeit gefallenen Ermittler, der geizig ist mit Worten und lieber über Blicke kommuniziert. Der lakonische Borowski ist keiner für die sommerliche Schwüle heißer Augustnächte; der Schnee steht ihm gut.

„Borowski und der brennende Mann“ von Regisseur Lars Kraume beginnt mit einer Rückblende, die aus einem skandinavischen Krimi geklaut sein könnte, wie ihn Stieg Larsson und seine Freunde definiert haben. Fetzen einer Schwarz-Weiß-Fotografie werden von unsichtbarer Hand zusammengesetzt, das Bild fügt sich zu einer Kindergruppe. In der nächsten Szene drücken sich ebendiese Kinder atemlos in die Büsche. Nur wenige Meter entfernt steht ein Haus in Flammen. Es brennt mit einer Bestimmtheit, gegen die kein Beten hilft, kein Wasser, keine Löschfahrzeuge. Was genau in dieser Nacht in den 60er-Jahren passiert ist, erfährt der Zuschauer gegen Ende des Films.

Eine doppelte Geschichte, kein einfacher Fall. Auch der Schulleiter der dänischen Schule in Schleswig taumelt während des Lucia-Festes die Treppe hinunter, Flammen bedecken Arme und Beine. Er wird den Brandanschlag nicht überleben. Borowskis Chef ist ein Jugendfreund des Opfers und trägt eher zur Verschleierung als zur Aufklärung des Falls bei. Dafür gibt's Unterstützung von der Kripo Flensburg in Gestalt einer Nachwuchsermittlerin, die so fröhlich durch die Ermittlungen stapft, als würde sie nach Laune bezahlt. Kommissarin Einigsen ist eine Figur, wie sie nur in Drehbüchern existiert und nie in der Wirklichkeit. Sie schmeißt sich hemmungslos an Borowski ran, der von diesem Groupietum gleichzeitig geschmeichelt und überfordert ist. Wenn Axel Milbergs Borowski auf dem Bildschirm auftaucht, kann man sich im Fernsehsessel ruhig zurücklehnen. Er wird nichts Falsches tun, er wird einfach da sein, wenn man ihn braucht. Partnerin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) hat den nichtssagenden Part. Sie verkracht sich mit Borowski wegen ihrer Epilepsie und hat einen Unfall, der im Krankenhaus endet.

Der „Tatort“ des Hamburger Autors Daniel Nocke ist ein so vertrackter wie spannender Krimi über die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein; ein ambitioniertes Stück um Rache, Vorurteil, Fremdenhass. Dass Brandt stellvertretend für den Zuschauer laufend Nachhilfestunde in Sachen Lucia-Fest und dänische Minderheit erteilt bekommt, ist die unerfreuliche Kehrseite, die dem Film einen Hauch Bundeszentrale für politische Aufklärung verleiht. Doch die Vorteile überwiegen: eine Kulisse wie aus einem Outdoor-Magazin und ein Kommissar mit einem Gespür für Schnee.

„Tatort: Borowski und der brennende Mann“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD