Nur der Vierbeiner blickt durch

Sibylle Berg ist Spezialistin für Beziehungskrämpfe: Kai-Uwe Holsten inszeniert ihr bissiges Stück „Hund Frau Mann“

Theater Kontraste. „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot.“ Sibylle Bergs erster, 1997 publizierter Roman war auf Anhieb ein Erfolg und könnte auch als Motto über ihren ersten Komödien stehen. Sie zeichnen sich durch sarkastische Beobachtungsgabe, galligen Humor und lakonische Leichtigkeit der Dialoge aus. Die Spezialistin für Geschlechterkämpfe und Beziehungskrämpfe schrieb auch „Hund Mann Frau“. Der Witz an diesem tragikomischen Stück ist, dass der introvertierte und belesene Vierbeiner den Durchblick im Paarungsdebakel behält, es kommentiert und schließlich freiwillig geht. Der gute Hund hält das Leiden der beiden aneinander nicht mehr aus und nimmt Reißaus. Auch manchem Zuschauer mag es bei dieser sehnsüchtigen, doch vergeblichen Glückssuche schon mal die Lust zum Lachen verschlagen.

Ein ideales Stück für das Theater Kontraste in der Komödie Winterhuder Fährhaus, findet Regisseur Kai-Uwe Holsten. Er muss es wissen. Denn der 53-jährige Hamburger mit reichlich Regieerfahrung auf einigen Hamburger Privatbühnen, wie Altonaer Theater und Ernst Deutsch Theater, gehörte von Anfang an zu den Künstlern, die im Kleinen Saal des Boulevard-Tempels mit intelligenten, schwarzen Komödien eine Art „zweites Programm“ zu den populären Lachklassikern und Schenkelklopfern im Großen Saal bieten wollten.

Irgendwie schließt sich mit Holstens nun achter Inszenierung für ihn und das Theater Kontraste ein Kreis. In Murray Schisgals Dreiecksgeschichte, die er und die Schauspieler Meike Harten, Maximilian Held und Jens Wawreczeck dem Komödien-Direktor 2000 vorschlugen, ging es auch um „Liiiebe“. Sie trafen bei Michael Lang nicht nur auf offene Ohren, sondern weckten sein Interesse und den Willen, es mit kleinen, ernsthafteren Stücken auf dem „Nebenschauplatz“ auf eigene Kosten zu riskieren. Er gab grünes Licht für „Liiiebe“. Aus dem ersten gelungenen Versuch entwickelte sich das mittlerweile erfolgreiche, und beim Publikum durchgesetzte Konzept für das spätere Theater Kontraste mit Uraufführungen und Inszenierungen hauptsächlich deutschsprachiger Autoren. Wie Holsten gehören auch Meike Harten und Harald Weiler spielend oder inszenierend zum kreativen „Kontraste“-Kern. Holstens letzte Produktion, die Elternabend-Farce „Frau Müller muss weg“ mit spöttischem Seitenblick auf den Alltag der hanseatischen Schulreform-Diskussionen entwickelte sich zu einem richtigen „Kontraste"-Dauerbrenner.

An Sibylle Berg schätzt der Regisseur den bösen Blick und die scharfzüngige Sprache. Nicht umsonst ist die Autorin und Dramatikerin als Kolumnistin für „Die Zeit“, Spiegel Online oder die „Neue Zürcher Zeitung“ tätig. Zuletzt brachte sie als Ko-Regisseurin mit Hasko Weber die Uraufführung ihres Touristen-Endspiels aus den Katastrophenzonen „Die Angst reist mit“ am Stuttgarter Staatstheater heraus.

„Durch den Hund bekommt Bergs Stück eine Ebene, die sie von anderen Beziehungskomödien originell und reizvoll unterscheidet“, sagt Holsten. „Das Tier beobachtet ohne zu werten, ergreift nicht Partei und agiert in der Voyeur-Position auch als Zuschauer und Vermittler zwischen den Schauspielern und dem Publikum.“ Im Übrigen findet er, dass Sibylle Berg recht gnadenlos mit den Geschlechtsgenossinnen ins Gericht gehe. „Hätte das Stück ein Mann geschrieben, würde er sich den Vorwurf, sexistisch zu sein, einhandeln.“ Berg zeige aber auch die Tragik , dass Frauen in einem gewissen Alter an „Marktwert“ verlören und in der Torschlusspanik ab 40 verzweifelt versuchten, sich gegen die Konkurrenz der 25-Jährigen zu behaupten.

Einen echten Hund auf die Bühne zu bringen wäre kontraproduktiv für das Stück. „Gegen Tiere auf der Bühne haben Schauspieler keine Chance“, weiß der Regisseur. Außerdem entspräche das nicht der Form des Stücks, in dem das Schauspieler-Paar Anna-Maria Kuricová und Martin T. Haberger zwischen Distanz zu den Figuren und und der Identifikation mit ihnen wechselt. „Der Darsteller des Hundes Georg Münzel trägt weder Fell noch Maske, sondern einen Anzug.“

„Hund Frau Mann“ Di 7.5., 19.30, Theater Kontraste in der Komödie Winterhuder Fährhaus (U Hudtwalckerstraße), Hudtwalckerstraße 13, Premiere ausverkauft, Vorstellungen bis 25.7., Karten zu 21,-/ erm. 16,- unter T. 48 06 80 80