Offen gesagt

Fopp Den Prüderle

Braunstein und Tate verstehen beide die Symphoniker als Kammerorchester

Beim ZDF sind offenbar die Satire-Wochen ausgebrochen. Nachdem die Mainzelmännchen gerade erst mit der Selbstveralberung „Lerchenberg“ so wirkten, als seien sie zu Selbstironie fähig, legte ausgerechnet das „heute journal“ am Sonntag noch einen drauf. Der Zwei-Minuten-Beitrag über den Parteitags-Auftritt der FDP-Stimmungshaubitze Rainer Brüderle war das Skurrilste, das die Kleber-Crew seit Langem im sonst eher unlustigen Politik-Sortiment hatte. Der war so brüllend komisch, als hätten die Realsatire-Spezialisten aus der benachbarten „heute-show“ die Nachrichtensendung geentert und ihnen einen ihrer Sketche untergejubelt

„Ökosotzjalistdsche Hirnschbinnerai“, dröhnte es da auf Brüderlisch auf den politischen Gegner los. Brüderles Rhetorik hätte sich verselbstständigt, es sei unklar, was echt ist und was Entertainment. Kaum verständlich sei er, aber das vor „unbedingt vergnügungsbereitem“ Publikum. Brüderle live und ohne Untertitel, das sei „eine Mischung aus Propaganda und Fasnacht“; wenn er fertig ist, erwarte man „entweder einen Tusch oder den Notarzt“. Respekt, „heute journal“! Geht doch. Als Steigerung wäre jetzt Gernot Hassknecht neben Gundula Gause nett. Interessant wäre nun auch, ob schon während des Beitrags empörte Liberale in der Chefredaktion ihre Beschwerdeanrufe loswurden oder erst danach. Montag stand diese Perle der Unterhaltungskunst noch in der ZDF-Mediathek.