Das literarische Kabarett lebt auf dem Schiff wieder auf

Hamburg. Lachen wir nur beim oder über den Arzt oder — noch eine Etage tiefer — im Keller? Was ist deutscher Humor? Auf dem Hamburger Theaterschiff am Musen-Kai geht die Crew diesen Fragen im Monat Mai auf den Grund. Nicht etwa mit Schnellschüssen, sondern mit alten und jungen Klassikern der deutschen Literatur.

„Bis der Arzt kommt“, heißt das neue Kabarettprogramm, dessen Regie der künstlerische Leiter Michael Frowin übernommen hat. Sein Buch nimmt die Besucher mit auf eine rasante Reise durch vier Jahrhunderte deutschen Humors, noch bevor Das Schiff im Juni in Richtung Brunsbüttel und Kieler Woche ablegt. Von Gotthold Ephraim Lessings „Ich schwör es Dir, o Laura“ bis zu den „Maulenden Rentnern“ von Pigor & Eichorn, den Salon-Hip-Hoppern des deutschen Kabaretts, reicht die Zeit-, Lied- und Textspanne.

Die Hamburger Schauspielerin Christine Jensen (bei ihrer persönlichen Schiffs-Premiere) und Ensemble-Mitglied Frank Roder gaben Couplets und Sketchen ihre eigene Note. In Nummern wie Robert Gernhardts „Ein Ehepaar erzählt einen Witz“ schaukelten sie sich spielend zu besonders amüsanten Streitereien hoch. Jochen Kilian, musikalischer Leiter des Schiffs, erfüllte am Klavier mehr als nur eine dienende Funktion. „Die verflixte Rechenaufgabe?“ von Otto Waalkes (!) mit der Frage „Was ist 28:7?“ etwa lösten alle drei gekonnt im Verbund.

Christine Jensen hübschte Claire Waldoffs „Warum liebt der Wladimir?“ stimmlich ebenso ironisch auf wie Karl Valentins „Lorely“ als personifiziertes Blondchen mit Gitarre. Auch wenn Ernst Jandls „Ottos Mops“ in Hamburg schon origineller dargeboten wurde, ist Roder nicht nur ob seiner äußerlichen Ähnlichkeit der ideale Interpret für Ringelnatz („In Hamburg lebten zwei Ameisen“). „Die Krönung“, ein temporeiches Lied des Potsdamer Kabarettduos Schwarze Grütze, lag ihm auch. Bereits vor dem Kaffee hatten sich alle drei Interpreten Trinkliedern, Früchten und Gemüse gewidmet. Da wirkte selbst Frowins Nummer „Spargelstechen“ („Man muss im Bücken stechen“) nicht ordinär, allenfalls anzüglich.

Und die Arzt-Witze? Der Titel legt es nahe — gehören natürlich auch zum Programm. Beispiel? „Was sagt Petrus zum Arzt? Lieferanten zum Hintereingang!“ Das literarische Kabarett indes lebt — dank des Schiffs.

„Bis der Arzt kommt“ 8.5., 11./12.5., 26.5. u. 2.6., Holzbrücke 2, Karten unter T. 69 65 05 60