Kinostart 25. April

„Jäger des Augenblicks“: Schwindelnde Höhen

Der Kletterfilm setzt auf spektakuläre Aufnahmen. Weiter gehenden Fragen wie der nach ganz realen Ängsten und Gefahren stellt er sich aber nicht.

Freiklettern besitzt zweifellos einen großen Reiz – besonders für die, die zuschauen. An den Beginn ihrer Dokumentation „Jäger des Augenblicks“ über ein Trio von Freikletterern auf ihrem neuesten Abenteuer setzen die Regisseure Christian Lonk, Philipp Manderla und Malte Roeper eine Archivaufnahme: Darin sieht man Stefan Glowacz, einen der bekanntesten deutschen Vertreter seines Sports, wie er sich an einem überhängenden Felsen hochhangelt. Die 20 Jahre alte Aufnahme lässt sofort den Atem stocken. Ein junger Mann mit nacktem Oberkörper, der sich affengleich, teils nur an einem Arm hängend, auf dem Stein bewegt, in waghalsigsten Posen. Das Ganze „cool“ zu nennen, wäre eine heillose Untertreibung.

Als Objekte der Beobachtung hat sich das Regietrio ein Kletterertrio ausgesucht: besagten Stefan Glowacz und dessen Freunde Kurt Huber und Holger Heuber, die sich nach langen Überlegungen für den Mount Roraima entscheiden, einen Tafelberg in Venezuela. Wie er da aus dem Nebel ragt mit fast senkrechten Felswänden – welcher Freikletterer könnte da widerstehen?

Vordergründig befriedigt „Jäger des Augenblicks“ die Zuschauerwartungen: Es gibt spektakuläre Aufnahmen, es gibt grundsätzliche Informationen und sogar menschliches Drama, und das nicht zu knapp. Trotzdem erscheint der Film als vertane Chance: Nicht nur, dass hier offenbar zu viel Stoff untergebracht werden sollte, weshalb der Schnitt fahrig und konzeptlos daherkommt und dem Zuschauer kaum Zeit lässt, in Ruhe die Kletterer bei ihrer minutiösen Arbeit zu beobachten.

Die Filmemacher begnügen sich mit der Bewundererposition und drücken sich vor jeder zuspitzenden Fragestellung. Über Ängste und die realen Gefahren wird nicht gesprochen. Und das, obwohl ein tödlicher Unfall, der sich in der Drehzeit ereignet, die Frage nach der Lust an der Selbstgefährdung eigentlich sehr nahe legt.

Bewertung: belanglos

„Jäger des Augenblicks“ Österreich 2012,102Minuten, ab 6 Jahren, R: Philipp Manderla, Christian Lonk, Malte Roeper täglich im Abaton; www.jaegerdesaugenblicks.de