Krimizeit

Römische Verhältnisse

Die mafiöse Bandenkultur Italiens, die Verstrickungen von Kriminalität und Politik sind der ideale Nährboden für politische Kriminalromane. Namen wie Paolo Roversi, Massimo Carlotto und Nino Filastò stehen für diese italienische Krimikultur, auch Gianrico Carofiglio, Carlo Lucarelli. Vor allem aber: Giancarlo de Cataldo.

Der 57-Jährige arbeitet als Richter am Berufungsgericht in Rom – ist also bestens vertraut mit der dunklen Seite. Romane, Erzählungen und Drehbücher hat de Cataldo bislang veröffentlicht. Herausragend: die Thriller „Romanzo Criminale“ und „Schmutzige Hände“. „Der König von Rom“ reiht sich nun nahtlos in diese Reihe exquisiter Politromane ein.

Die literarische Methode, derer sich de Cataldo bedient, ist überwiegend dokumentarisch. Er greift den Fall eines kleinen Gangsters anhand von Prozessakten auf und füttert ihn fiktional an. Der brillant komponierte Roman erzählt vom Aufstieg des jungen Libanese zum Boss der Magliana-Bande im Rom der späten 1970er-Jahre. Skrupellos geht Libanese seinen Weg, nachdem er im Knast das Angebot eines Mafia-Chefs erhalten hat, in ein offenbar äußerst lukratives Geschäft einzusteigen: Es geht darum, eine Schiffsladung Heroin unters Volk zu bringen. Das Problem: Libanese muss 300 Millionen Lire auftreiben, um den Deal machen zu können.

„Der König von Rom“ ist ein Politthriller allerbester Manier – höchst spannend, die Charaktere hart zeichnend, zugleich eine soziale Miniatur jener Jahre liefernd.

Giancarlo de Cataldo: Der König von Rom. Dt. v. Karin Fleischanderl, Folio Verlag, 174 S., 19,90 Euro