Goldrausch im Schwarzwald und ein Sägewerk ohne Holz

Hamburg. Autor Philipp Löhle gilt als Experte in Sachen kritischer Zeitdiagnose. Auch in „Supernova (wie Gold entsteht)“, das jetzt in der Regie von Maryn Stucken im Lichthof Theater Premiere feierte, entwickelt er eine schöne, dreiteilige Parabel auf die kapitalistische Gier. Sie hat sich der letzten Idyllen bemächtigt und kommt mit allerlei akustischem Schwarzwaldkolorit daher. Dauerpraktikant Friedrich (Ingo Mess) will endlich einen Nine-to-five-Job, sonntags „Tatort“ und ein Reihenhaus. Also macht er es wie Börsen-Spekulanten, fälscht eine Studie, in der er die Region als Goldader ausweist und lässt seinen Chef lukrative Termingeschäfte abschließen. Bald hat er Ärger nicht nur mit den Öko-Aktivisten. Auch Mutter Emma (grandios burschikos: Susanne Pollmeier), bald 50, will endlich ihr Stück vom Kuchen, Sie geht auf Brautschau und versenkt sich ins Studium des Revolutionsjahres 1848 und der regionalen Geschichte.

„Supernova“ ist clever konstruiert und verhandelt schwere Kost auf leichtfüßige Weise – mit tödlichem Ende. Alle Episoden sind miteinander verlinkt und stehen doch, auch ästhetisch, für sich allein. Und alle drei handeln von Menschen, die endlich wieder am Steuer ihres eigenen Lebens sitzen wollen. In der dritten Episode geht das Idyll in Gestalt dreier Bauern endgültig vor die Hunde. Wolf (Thomas Schultz) zieht in die Stadt und versucht sich in der Politik, Henning (Erik Fiebiger) fackelt den eigenen wertlosen Hof ab und Michl (Jens Weisser) hat zwar ein Sägewerk, aber kein Holz mehr, weil die Aktivisten den Schwarzwald nach Mecklenburg-Vorpommern verpflanzt haben. Zwischen Kunstbäumen und Eisenbahn bringen alle Darsteller ganzen Einsatz. Unbedingt sehenswert.

„Supernova (wie Gold entsteht)“ weitere Termine 29./30.5., 20.15, Haus III&70, Schulterblatt 73, T. 32 71 33