Kinostart 18. April

„Bastard“: Allein gelassen und auf Abwege geraten

Der Debütfilm von Regisseur Carsten Unger fesselt mit ungeheurer Wucht. Das Handlungs-Puzzle, das der Zuschauer selbst zusammensetzen muss, ist so düster wie gelungen.

Zu Beginn schließt sich hinter einem Jungen eine schwere Eisentür. Jemand, den er kannte und dem er folgte, hat ihn hierher gelockt. Und das ist kein Spiel. Dieser Jemand ist Leon, kurz vor seinem 14. Geburtstag und damit noch nicht strafmündig. Was er mit der Entführung bezweckt, schält sich erst im Verlauf der Geschichte heraus, zunächst serviert der Film dem Zuschauer ein Puzzle, das er selber zusammensetzen muss.

Eine weitere wichtige Figur darin ist die 13-jährige Mathilda, die wir zu Beginn sehen, wie sie im Schwimmbad einen Vater um Hilfe bittet und ihn dann unverhohlen anmacht. Ihr eigener Vater ist gestorben, als sie drei war, die Mutter Hartz-IV-Empfängerin und Alkoholikerin. Auch das erfährt man erst später, da haben die beiden Kinder längst einen Pakt geschlossen, in einer Mischung aus Verführung und Drohung, die den ganzen Film kennzeichnet.

Leon versucht, in die Familie seines Opfers einzudringen, sich an dessen Stelle zu setzen. Der hochbegabte Junge fühlt sich von seinen Eltern vernachlässigt, deren Villa mit der Hochhauswohnung von Mathilda kontrastiert. Zwischen den Stühlen sitzt die Polizeipsychologin Meininger, die den Fall zu lösen versucht. Dass Carsten Ungers Debütfilm am Ende — anders als Michael Hanekes „Das weiße Band“ — Erklärungen bietet, nimmt ihm nichts von seiner Wucht, die nicht zuletzt den beiden Darstellern der „bösen“ Kinder geschuldet ist.

Bewertung: überragend

„Bastard“ Deutschland 2011, 130 Minuten,ab 12 Jahren, R: Carsten Unger, D: Martina Gedeck, Markus Krojer, Antonia Lingemann, täglich im Abaton; www.bastard.wfilm.de