Ausstellung im Untergrund, dokumentiert auf 13 Metern

Hamburg. "Der große Künstler von morgen wird in den Untergrund gehen", schrieb der Surrealist und welterste Konzeptkünstler Marcel Duchamp 1961 in Philadelphia. Das hatten sich rund 60 Künstler im Herbst 2011 in Hamburg zu Herzen genommen und umgesetzt. Die engagierten Künstler mit dem poetischen Namen "Friends and Lovers in Underground" hatten, vom Verkehrslärm umtost, nach langem behördlichem Hin und Her die Tiefgarage gegenüber dem alten "Spiegel"-Hochhaus dazu auserkoren, in ein temporäres Museum verwandelt zu werden.

Darin sollten sich, auf Augenhöhe und ohne Beschriftung, die Werke der meist jungen Künstler und die sehr prominenter Kollegen wie Francesco Goya, Francis Picabia, Robert Rauschenberg oder Asger Jorn begegnen. Nachdem das Projekt schon mehrmals totgesagt war, weil die ursprüngliche Idee, das Ganze in einem alten U-Bahn-Tunnel zu realisieren, an bürokratischen Hürden scheiterte, gelang die Realisierung schließlich und wurde zu einem fulminanten Erfolg, den nun nachträglich ein Katalog dokumentiert.

Jeder, den das wundervolle Projekt damals begeistert hat, aber auch jeder, der es nicht sehen konnte, kann jetzt in den Genuss kommen, es ein bisschen nachzuerleben. Dank der Idee des Fotografen Felix Krebs, alle Räume und Perspektiven bruchlos miteinander zu verbinden, kann der Katalog als 13 Meter langer Leporello ausgelegt werden. So lässt sich die Ausstellung sogar physisch noch einmal erleben - indem man langsam daran entlang flaniert und die Werke wirken lässt.

Teuer würde dieses Unterfangen, das wussten die Künstler von vornherein. Deshalb fertigten sie 40 Multiple-Boxen an, die für jeweils 500 Euro verkauft wurden und das Katalog-Projekt finanzieren halfen. Der Katalog "Friends and Lovers in Underground" ist im Textem Verlag erschienen und kostet 35 Euro.