Satire über die Kanzlerin

Das fiktive Tagebuch vom Mann an Angela Merkels Seite

| Lesedauer: 4 Minuten
Armgard Seegers

Details über ein Polit-Eheleben: Das Buch ist urkomisch und verkohlt die gesamte Polit-Prominenz. Jeder kriegt hier sein Fett weg.

Hamburg. Ein richtig gutes Tagebuch, das fängt bereits am Tag vor dem neuen Jahr an, am 31. Dezember:

"Wir haben gute Vorsätze fürs neue Jahr. Ich will hin und wieder Sport machen, Mutti will den Euro retten. Bin gespannt, wer von uns länger durchhält.

Nachmittags Anruf von Wulff: Wenn wir heute noch die 'Hör Zu' abonnieren, bekäme er einen schönen Toaster als Abo-Geschenk. Merkwürdiger Kerl."

"Das total gefälschte Geheim-Tagebuch vom Mann von Frau Merkel", eine fiktive, wunderbare und saukomische Satire über die Bundeskanzlerin, ihren Ehemann, Professor Joachim Sauer, über Westerwelle, Rösler, Schavan und die ganze Polit-Prominenz im In- und Ausland ist jetzt im Scherz-Verlag (der Name ist hier wohl Programm) erschienen und man kann sich wirklich weglachen über all das Ausgedachte, das da angeblich hinter den Kulissen geschieht und das uns dann doch irgendwie sehr bekannt vorkommt. "Können wir mit Rösler zum Chinesen gehen?", fragt sich da der Kanzlerinnen-Gatte einmal. Oder er trägt, am 25. Juli, bei einem Besuch der Bayreuther Festspiele, ein: "Es gibt kein anderes Thema, als dass Angela das Kleid schon 2008 getragen hat. Genau wie die Aufregung um Angelas Dekolleté damals bei der Eröffnung der Oper in Oslo. Als wäre es eine Überraschung, dass meine Frau eine Frau ist. Diese westliche Verklemmtheit! Jahrelang gab es für uns im Urlaub nur FKK."

Jeder kriegt hier sein Fett weg, über Brüderle schreibt der fiktive Professor Sauer, "der würde auch das Letzte Abendmahl noch als Arbeitsessen absetzen", Westerwelle und Pofalla seien keines Aprilscherzes würdig, "weil die doch schon das ganze Jahr verarscht werden" und Gauck "predigt simultan in der Kirche leise mit. Er kann nicht anders." Gegen Merkels Büroleiterin Beate Baumann giftet er ständig (aus Eifersucht) und Ursula von der Leyen ist so was Ähnliches wie "Superwoman", denn es heißt am 14. Januar: "Abends kommt Ursula von der Leyen. Sie baut den Ikea-Schrank in drei Minuten zusammen. Ohne Werkzeug. Nur mit bloßem Willen. Mutti ist sauer." Das Jahr 2012 passiert noch einmal Revue: "21. Januar: Schon wieder Wulff auf dem Anrufbeantworter. Er bietet seinen Rücktritt an, wenn er im Gegenzug seine Payback-Bonuspunkte behält", ein Abendessen auf der Berlinale "mit einer Angelika Jolie. Merkwürdige Person. Angeblich Schauspielerin, scheint aber noch was nebenbei zu machen. Nach der Vorspeise hat sie ein Kind adoptiert", der Frühjahrsurlaub in Ischia "hauptsächlich simst sie mit der SS, wie ich es scherzhaft nenne, wenn sie sich mit Seibert und Schäuble schreibt".

So viele schöne Details über ein Polit-Eheleben, die abendlichen Gespräche und die Repräsentationspflichten wurden nicht mehr ausgeplaudert, seit die Hamburger Autorin Silke Burmester ihr "Geheimes Tagebuch der Carla Bruni" geschrieben hat. Ältere Leser, werden sich vielleicht an Karl-Heinz Wockers "Denis Letters" erinnern, die Briefe, die Margaret Thatchers Ehemann Denis angeblich seinem Freund Bill geschickt haben will. Da ging es um "M" (analog zu James Bond), die befiehlt oder die nur "The Boss" hieß.

Wer nun aber der Autor, die Autorin oder das Autorenkollektiv ist, das dieses "geheime Merkel-Tagebuch" verfasst hat, will der Verlag nicht sagen. Fest steht, es muss sehr viel Spaß gemacht haben, es zu schreiben. Sauer liebt seine Angela, das wird immer wieder deutlich, "zwischen uns stimmt die Chemie. Und die Physik" heißt es da oder "zu unserem Jahrestag habe ich ihr eine Platte von den Puhdys geschenkt" und "Als ich Angela kennen lernte, war sie noch eine lustige, kleine Physikmaus, Konfektionsgröße 36". Sämtliche Probleme werden beim Saunabesuch mit den Freunden besprochen. Die Autoren spielen mit allen Klischees, die wir über unsere Politiker parat haben. Es macht großen Spaß, das zu lesen. Ach, wie schön wäre es dabei zu sein, wenn das Ehepaar Merkel/Sauer seinen fiktiven Charakteren im Buch begegnet. Sie lachen bestimmt sehr. Es kann gar nicht anders sein.

"Das total gefälschte Geheim-Tagebuch vom Mann von Frau Merkel", Scherz Verlag, 224 S., 14,99 Euro