Offen gesagt

Gehört Pop echt ins Museum?

Eine Alterserscheinung von Tom R. Schulz

Früher gab es Pop im Museum nur als bildende Kunst, als Pop-Art. Derzeit aber wird David Bowies Devotionaliensammlung in eigener Sache im ehrwürdigen Victoria and Albert Museum in London ausgestellt. Kraftwerk spielen ihre jahrzehntealte Musik im Museum of Modern Art. Und Peter Gabriel geht bald mit einem Live-Remake seines Albums "So" (1986) auf Tournee. Vermehrt umgibt sich neuerdings auch Popmusik mit der Aura konservatorischer Hochkultur. Wenn wir schon ertragen müssen, dass wir älter und älter werden, soll wohl die Musik unserer Jugend optimal aufbewahrt werden und am liebsten weit den Tag überdauern, an dem wir selbst aufgebahrt werden.

Wer die heute museal so überhöhte Musik schon hörte, als sie noch neu war, fühlt sich vielleicht halb angekommen in der Hochkultur. Und bleibt doch fremd in den Filzpantinen, die ihm das Museum der Erinnerung nun unterschiebt. Er trägt ja unverlierbar auch den jungen Menschen in sich, der er damals war. Das Upgrade rebellischer Empfindungen fühlt sich an wie ein Fake. Wird denn alles irgendwie Kunst, wenn es die Zeiten lang genug überdauert hat?

Besser, mehr heute neu erfundene Musik wäre Kunst - unberechenbar, unverwechselbar in ihrer Autorschaft, nah an unserer Zeit und doch ganz unabhängig von ihr. Wie Nick Caves neues Album "Push The Sky Away". Das braucht kein Museum zur Selbstvergewisserung, nur ein Abspielgerät.