Wer will schon leben wie ein Hund

Hannelore Hoger ermittelt am Sonnabend als sympathisch bodenständige "Bella Block" unter verwilderten Geschwistern

Hamburg. Mag sein, dass es zu viele Krimis im Fernsehen gibt und dass mancher Zuschauer von den täglichen TV-Verbrechen überfordert und überfüttert ist. Wenn aber eine neue Folge "Bella Block" läuft und Hannelore Hoger in der Titelrolle mal wieder unkonventionell schnodderig und mit großer Anteilnahme an allem, das sie für ungerecht hält, ermittelt, dann sollte man sich das nicht entgehen lassen. "Hundskinder" heißt die 33. Folge der "Bella Block"-Reihe am Sonnabend, die vor 20 Jahren startete und seitdem mit Auszeichnungen überhäuft wurde, darunter auch mit dem Bayerischen Fernsehpreis und dem Adolf-Grimme-Preis.

Die große Anerkennung ist eindeutig den fabelhaften Schauspielern zuzurechnen, allen voran Hannelore Hoger, sowie den tollen Drehbüchern und den versierten Regisseuren, die seit Jahren für die Serie arbeiten. Bella Block, das ist die Hamburger Kommissarin, die so herrlich normal und natürlich ist, als würde man sie neben sich auf dem Sofa sitzen sehen und nicht im Fernsehen. Bella ist bodenständig und skeptisch gegenüber allem, was aufgeblasen, überkandidelt und allzu schick ist. Bella ist schon mal launisch, sie lebt nicht in einer Kunstwelt, sie säuft gelegentlich und nimmt Anteil am Schicksal der Verlierer und kleinen Leute. Das macht sie so unfassbar sympathisch, dass man ihr gerne viel länger als 90 Minuten zuschauen würde. Noch dazu, da ihr Kollege Martensen von Devid Striesow mit so zuverlässig spöttischen Blicken ausgestattet wird, wenn es peinlich, pathetisch oder pedantisch wird, dass man am liebsten selbst vor dem Fernseher ein abschätziges "Die spinnen wohl!" ausrufen würde.

Auch diesmal kann Bella Block wieder aus dem Vollen schöpfen, wenn sie auf einem verwilderten Gelände ermittelt, auf dem ein Waffennarr und alleinerziehender Vater von vier Kindern mit einer Horde von Hunden lebt. Die Mutter der Kinder ist vor ein paar Jahren nach Afrika abgehauen. Warum, das erfährt man erst ganz spät, denn es dient der Aufklärung des Mordes, der gleich zu Beginn passiert, und weiterer Straftaten, die sich daraus ergeben. Bella begibt sich tief hinein ins Milieu, will von den verwahrlosten Kindern wissen, was mit einer vermissten Tante, dem verschuldeten Onkel und einem Wolf passiert ist, der vermutlich die Tollwut eingeschleppt hat. Doch die Kinder dulden keine Erwachsenen, am allerwenigsten der halbwüchsige Lukas. Sie wollen alleine klarkommen und sich gegen die da draußen zur Wehr setzen. Als die Sache eskaliert und ihr Vater umgebracht wird, kidnappen sie Bella Block, halten sie in ihrem Haus gefangen und wollen auch Vaters Waffen benutzen. Bella wird verletzt, hat Angst vor der Tollwut, kümmert sich aber rührend um die Kinder. Sie kocht, wäscht und übernimmt fast Mutters Stelle. Beim großen Showdown, bei dem auch die Mutter der Kinder wieder auftaucht, geht einiges schief. Und schließlich soll den Kindern auch noch ein Mord in die Schuhe geschoben werden.

Hannelore Hoger gibt ihrer Bella so viel gesunden Menschenverstand, dass es eine Freude ist. Zum vorletzten Mal ermittelt sie als Hamburger Kommissarin. Diesmal richtiggehend gut gelaunt. Und auch Devid Striesow, der ja jetzt "Tatort"-Kommissar ist, verlässt dieses Revier. Man sollte sich das ansehen. Es ist beste Unterhaltung.

"Bella Block - Hundskinder", ZDF, 16.3., 20:15 Uhr