Kultur

Axel Pätz, ein satirischer Spätentwickler

Der Hamburger, erst seit fünf Jahren als Solokünstler unterwegs, eröffnet an diesem Montag das "Kabarett-Fest" im Lustspielhaus.

Lustspielhaus. Was ist heutzutage schon alt, in Zeiten immer weiter steigender Lebenserwartung? In Zeiten, da Menschen in ihrem Leben nicht mehr nur einen Beruf ausüben. Axel Pätz kann davon mehr als ein Lied singen. Ironisch, zynisch, komisch.

Der Hamburger hat das Tastenkabarett zur Profession erkoren. Und Pätz eröffnet an diesem Montag das "Kabarett-Fest" im Lustspielhaus: "Das Niveau singt" lautet der doppeldeutige Titel seines Soloprogramms.

Es ist erst sein zweites, obwohl Pätz schon im 57. Lebensjahr steht. Dafür und für "Die ganze Wahrheit" hat der Vater zweier erwachsener Töchter bisher bundesweit fast 20 Kleinkunstpreise gewonnen. Paradox: Erst 2008 hatte Pätz in Ottensen seinen ersten Soloauftritt, in der Kaderschmiede, damals eine Raucherkneipe mit Brettl, heute eine Kita. Die Gage von knapp 45 Euro hat Pätz eingeschweißt - als Mahnung.

Szenenwechsel: 25. Freiburger Kulturbörse, hierzulande der Branchentreff für Kleinkunst und Varieté. Ein Mittwochvormittag im Februar. Der Theatersaal 2 ist mit gut 350 Interessierten übervoll. Doch Pätz' alter Cocktailsessel aus den 50er-Jahren, ein kleiner Teppich und ein Flügel verbreiten auf der Bühne heimelige Atmosphäre. Pätz guckt anfangs grimmig wie gewohnt, singt "Morgen gründen wir 'ne Bank", spielt erst Moll, dann in Dur, macht sich lustig über die gesellschaftliche Verelendung. Ein paar Spitzen über Libyen, Steinbrück und Rösler, gefolgt vom Song "Auch ein Killer braucht ja ein Zuhause" sowie sein Hit über den "Aufsitzrasenmäher" mitsamt der Folgen für die männliche Psyche - und er hat den Saal im Griff. Als das Publikum nach der "Ü-80-Party" - von Pätz persiflierend schmissig auf dem Akkordeon unterlegt - angefixt ist, ist der Kurzauftritt auch schon zu Ende. Aber er scheint sich gelohnt zu haben - in Form von Buchungen "Baden-Württemberg gehört fast schon zu meinem Stammland", wird Pätz später feststellen.

Er trifft offenbar nicht nur den Geschmack von Jurys. Seine schwarzhumorigen Lieder aus den Abgründen des Alltags erinnern an Georg Kreisler und Konstantin Wecker, doch sind sie zeitgemäßer, vor allem witziger.

Szenenwechsel: Goldbekhaus, Winterhude, Ende September 2012. Pätz gibt hier erstmals die "Ü-80-Party". Mehrmals wird er unterbrochen: Zeilen wie "Manche stehen auf Keramik, das bringt beim Pogo mehr Dynamik" oder "Das ist die Giga-Endzeitfete - auf Anschlag alle Hörgeräte!" kitzeln bei den Besuchern spontan die Lachmuskeln. Dabei ist Pätz in seiner Reihe "KabarettsPätzial" nur der Moderator.

Szenenwechsel: Fundus-Theater in Hasselbrook. Ein Montagmorgen im Dezember. Pätz macht noch mal Kindertheater, spielt für die ganz Kleinen "Die Sterne von San Lorenzo". "Der arme Mann, der da hängt", sagt ein Mädchen beim Verlassen des Saals zu ihrer Erzieherin, "der dreht gleich durch." Befreit von der Hängepartie an einer Art Ständer, lacht Pätz darüber. Zehn Jahre hat er das Stück regelmäßig gespielt. Hat Lesungen und Stücke für Kinder in Bücherhallen gegeben.

Pätz, der gleich zweimal an der Hamburger Musikhochschule studiert hat, kann auf seine Erfahrungen als Schauspieler und Musiker bauen: als Sänger der A-cappella-Gruppe Die Sirenen in der "Schmidt Mitternachtsshow" etwa oder als Leiter von drei Chören.

"Ich bin jetzt dort angekommen, wo ich immer künstlerisch hinwollte", sagt der satirische Spätentwickler. "Unternehmerisch bin ich noch auf dem Weg." Nur solo auf der Bühne zu stehen reicht ihm indes nicht. "Ich habe das Bedürfnis, in der Hamburger Kultur etwas mitzugestalten", sagt er. "Ich möchte auch was zurückgeben."

Auch deshalb veranstaltet er "KabarettsPätzial". Außerdem lädt er mit seinem Kollegen Sebastian Schnoy für den 27. Mai zur ersten "Humor-Vollversammlung" ins Lustspielhaus. In der neuen Show möchte Pätz Comedy und Kabarett speziell mit hiesigen Künstlern vereinen. Und am 2. Juni bittet Pätz dort zum zweiten Mal zum Benefiz-Kabarett für "Hinz & Kunzt". Zugpferde sind die Hamburger Bühnenoriginale Alfons und Herr Holm.

Pätz selbst ist dabei, eines zu werden. Eines, das sich immer noch weiterenwickelt. Dass sein neues Lied "Chill mal" neulich auch eine 13-Jährige zum Lachen gebracht hat, erfreut den Satiriker. Es soll 2014 ebenso Eingang in sein drittes Programm finden wie die "Ü-80-Party". Vorruhestand sieht anders aus.

"Das Niveau singt" Mo 4.3, 20.00, Alma Hoppes Lustspielhaus (U Hudtwalckerstraße), Ludolfstr. 53, Karten zu 21,50 bis 28,50 unter T. 55 56 55 56; weitere Termine des Kabaretts-Fest bis 30.3. unter www.almahoppe.de; "KabarettsPätzial" wieder am Do 18.4., 20.00, Goldbekhaus; www.axelpaetz.de