Nicht nur Politiker, auch Musiker haben gern abgeschrieben

St. Jacobi. Musikerhumor ist bekanntlich trocken und gern mal bissig, der von Rudolf Kelber, Kirchenmusikdirektor von St. Jacobi, noch skurril dazu. Gleich drei Dienstagabende im Februar mit dem Vokalensemble seiner Kantorei, ausgesuchten Gästen und ihm selbst an der Orgel widmet Kelber dem ebenso imaginären wie hübschen Werk "Guttenberg, Schavan und Koch-Merin im Tripelkonzert, van Andern-Verzeichnis 99 in Klau-Dur". Denn nicht nur in Eile dissertierende Akademiker der Neuzeit bedienen sich bei eigenen Werken zur Not auch anderswo. Eine gewisse Laxheit in Fragen geistigen Eigentums lässt sich seit Jahrhunderten auch im Kompositionswesen beobachten.

Nach dem Auftakt mit Cembalo- und Lautenmusik im kleinen Schnitgersaal vor einer Woche öffnet Kelber am heutigen und am kommenden Dienstag die Kirche selbst für seine Konzertreihe voller Bearbeitungen musikalischer Evergreens zwischen musikalischem Recycling und dreistem Plagiat. Das heutige Programm lockt mit Madrigalen von Gesualdo, Strawinskys "Monumentum pro Gesualdo", Musik aus Monteverdis "Orfeo" und einer vielversprechenden "Missa super Cantus Lennonenses McCartnesque", wohinter sich ein ins Geistliche transponiertes Medley aus Beatles-Titeln verbergen dürfte. Am nächsten Dienstag spielt das Concertone Hamburg, das kircheneigene Orchester, Werke nach Vivaldi, Pergolesi, Dowland und C.P.E. Bach.

"Evergreen(s)leaves" Hits aus Renaissance, Barock und Gegenwart zwischen Recycling und Plagiat, St.-Jacobi-Kirche (U Mönckebergstraße), Jakobikirchhof 22, Di 19.2. und Di 26.2., jew. 20.00, Eintritt 12,-/erm. 8,-