Fliegende Bauten

Solvo vom Cirque Bouffon: Kopfstände im Zelttheater

Der Cirque Bouffon feiert in den Fliegenden Bauten mit "Solvo" Hamburg-Premiere

Fliegende Bauten. Ein Clown versinkt fast in einem Berg aus Zeitungen. Die Nachrichten und die schnelllebige Gesellschaft haben ihn fest im Griff, das Zeitungspapier türmt sich als Müllberg auf. Er versucht, dem Informationsfluss zu folgen, all die Neuigkeiten zu verarbeiten. Doch plötzlich verliert er die Nerven und wird regelrecht verrückt.

Er fördert Figuren seiner Fantasie auf die Bühne, die keine Hemmungen kennen, wild musizieren, mit Ringen um sich werfen oder sich per Kopfstand auf das Haupt eines anderen stellen. Der Clown befreit sich von der Last, die er durch die Medien verspürt, und sein Inneres wird zu einem abendfüllenden Programm auf einer Zirkusbühne.

"Solvo" bedeutet genau dies, Befreiung und Erlösung. Es ist zugleich der Titel der Show, die der Cirque Bouffon bis zum 3. März in den Fliegenden Bauten präsentiert. Mit dem Programm war das Kölner Ensemble im Sommer 2012 in Hannover, Münster und Köln auf Tour. Nun soll auch in Hamburg die Befreiung vom Stress bringenden Alltag gefeiert sowie der Fantasie und der Kreativität freier Lauf gelassen werden. "Wir wollen ein wenig die Zeit entschleunigen", erläutert Direktor Frederic Zipperlin.

Der Zirkus setzt dabei vor allem auf die von Ensemblemitglied Sergej Sweschinski komponierte Musik, die einen wichtigen Teil in der Dramaturgie einnimmt. Die dreiköpfige Kapelle, besetzt mit Sweschinski (Kontrabass), Adam Tomaszewski (Percussion/Xylofon) und Rudik Yakhin (Knopfakkordeon), begleitet die Sängerin Anja Krips. Die Combo steht im Mittelpunkt statt versteckt am Rand, sorgt für Livemusik und damit auch für die richtige Atmosphäre bei den artistischen Auftritten. Die Klangfacetten reichen dabei von melancholisch bis quirlig, genau wie die gesamte Show. "Solvo ist poetisch, lustig, melancholisch und berührt das Herz", sagt Zipperlin, der nicht nur Regisseur, sondern selbst Artist ist.

Unter ebenjenen ist neben dem Chef auch das Duo La Main S'affaire erwähnenswert. Stéphane Dutournier und Laure Sérié haben sich vor neun Jahren in Chambéry in Frankreich kennengelernt und gemeinsam die international bekannte Zirkusschule in Kiew besucht. Entsprechend abgeklärt zeigen sie atemberaubende Kunststücke, bei denen Laure Kopfstände auf ihres Partners Hand oder Kopf vollzieht.

Wie andere ist auch der Cirque Bouffon an die Philosophie des französischen Cirque Nouveau angelehnt. Die klassische, mit Sägespänen ausgestreute Manege ist in dieser Art des Zirkus kaum zu finden. Stattdessen dominieren Artistik und Poesie sowie völlig neue Formen des Zirkustheaters. Der Cirque du Soleil, der seit Jahren weltweit für Furore sorgt, war Vorreiter.

Bouffon-Gründer Zipperlin war selbst drei Jahre Teil dieser Truppe, ehe er seine eigene Kombination aus Artistenzirkus, Theater, Musik, Komik und Tanz kreieren wollte.

Das war 1999. 14 Jahre später kann der Cirque Bouffon auf eine spannende Geschichte zurückschauen, in der "Solvo" das neunte große Abendprogramm bildet. Der Name der internationalen Compagnie, die aktuell elf Artisten aus sechs verschiedenen Nationen vereint, war dabei immer Programm. Denn der "Bouffon" steht im heutigen französischen Sprachgebrauch für spezielle und verrückte Personen. Im Mittelalter war er der Narr, der am Fuße des Königs saß, alles sagen durfte, ohne den Kopf zu verlieren und damit das Sprachrohr des Volkes am Hof war.

Und so erinnert der Begriff "Solvo" auch daran, dass Kühnheit, freche Worte und Taten nicht immer verkehrt sein müssen.

"Solvo" Di 19.2.-So 3.3., außer Mo jew. 20.00, Fliegende Bauten (U St. Pauli), Karten zu 26,90 bis 44,90 unter T. 881 41 18 80; www.fliegende-bauten.de

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