Einmal Monster, immer Monster?

In der neuen Folge der ZDF-Krimireihe "Unter anderen Umständen" jagt Natalia Wörner als selbstbewusste Kommissarin einen Frauenmörder

Ein Wolfshund hetzt durch den Wald. Ein Mann keucht. Eine junge Frau sitzt allein in einer Hütte am See. Es wird schlimm enden für die blonde Schönheit, das ist schnell klar. So schlimm, dass die Kommissarin beim Anblick der misshandelten und getöteten Frau - Entschuldigung - kotzen muss. Dann sagt sie schnell "Weiter!" Jana Winter will ihrer Arbeit mit kühlem Kopf nachgehen.

Zum achten Mal spielt Natalia Wörner die selbstbewusst-starke Ermittlerin in der ZDF-Reihe "Unter anderen Umständen", der Mord an Sarah Rosenfels, 19 Jahre jung, führt sie in ein kleines Dorf in der Nähe von Schleswig. Die Bewohner dort sind sich sicher, dass "Der Mörder unter uns" ist und zögern keine Sekunde, diesen ganz offen anzuprangern. Ulrich Wolf (Robert Gallinowski) heißt er, und er hat ja schon einmal eine 20-Jährige vergewaltigt. Selma (Oana Solomon) hatte damals schwer verletzt überlebt, sie leitet inzwischen eine psychiatrische Anstalt. Wolf ist nach verbüßter Strafe in das Dorf am See zurückgekehrt und lebt zurückgezogen und isoliert bei seiner Mutter (Christine Schorn). Während Jana Winter und ihre Kollegen noch Spuren sichern, Beweise suchen und Alibis überprüfen, protestieren die Anwohner, Flugblätter werden verteilt, Selbstjustiz-Stimmung macht sich breit. Einmal Monster, immer Monster.

Jana Winter - und auch den Vater des Opfers - interessiert hingegen nicht so sehr die Frage, wer Sarah ermordet hat, sondern das Warum. "Niemand weiß, woher das Böse kommt und wann es wieder geht", sagt die Psychologin. "Er wollte sie bestrafen, ein bisschen Gott spielen", sagt der Pathologe.

Andererseits, was ist, wenn es doch Ulrich Wolf gewesen ist? Wie geht man mit einem verurteilten Täter um, der seine Strafe abgesessen hat? Sind Tabletten geeignet, einen Mann ruhigzustellen? Wie weit geht Mutterliebe? Bei aller Suche nach dem Mörder beschäftigt Jana Winter diese letzte Frage auch ganz persönlich, schließlich hat sie einen Sohn, Leo. "Ich würde für dich lügen", flüstert sie ihm beim Zubettgehen ins Ohr. Dies ist die einzige Szene mit dem Sechsjährigen. Man weiß nicht wirklich, wo er seine Zeit verbringt, während Mama böse Menschen hinter Schloss und Riegel bringt, es ist nicht wie bei Maria Furtwängler, die als "Tatort"-Kommissarin Charlotte Lindholm gehetzt versucht, Kind und Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Leo wird von Jacob-Lee Seeliger gespielt, Natalia Wörners Sohn aus der Beziehung mit dem Schauspieler Robert Seeliger und der eigentliche Grund, warum die ZDF-Reihe "Unter anderen Umständen" heißt. Der Titel nimmt nämlich den Zustand auf, in dem sich die Schauspielerin 2006 befand, als die Dreharbeiten für den ersten Krimi beginnen sollten. Die Schwangerschaft wurde kurzerhand in das Drehbuch eingebaut und nachdem bereits die erste Folge erfolgreich war, behielt man den Namen bei. Das Kind ist inzwischen so alt wie die Reihe selbst, der Drehort für es ein "gelegentlicher Abenteuerspielplatz", wie Natalia Wörner sagt.

An ihrer Seite spielen in jeder Episode auch Martin Brambach als ihr Chef Arne Brauer mit, Max von Pufendorf als Technikfreak Ole Jessen und Ralph Herforth als abergläubischer Kollege Matthias Hamm. Zu den Konstanten zählt ebenfalls Judith Kennel, die bisher bei allen "Unter anderen Umständen"-Folgen Regie führte, atmosphärisch dicht und emotional.

"Unter anderen Umständen - Der Mörder unter uns" Mo 18.2., 20.15 Uhr, ZDF