Kinostart 14.2.2013

„Ende der Schonzeit“: Schweigend im Gespräch

Ein Jude versteckt sich 1942 bei einem Ehepaar, das keine Kinder hat - ein bizarres Arrangement folgt, anspruchsvoll in Szene gesetzt.

Südwestdeutschland 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg. Albert (Christian Friedel), ein junger Jude, will eigentlich über die Grenze in die Schweiz fliehen. Aber es fehlt ihm, angesichts patrouillierender Soldaten, der Mut. Zum Glück entdeckt ihn der Bauer Fritz (Hans-Jochen Wagner) und nimmt ihn mit zu seinem einsam gelegenen Hof. Gegen den Willen seiner Frau Emma (Brigitte Hobmeier) versteckt Fritz den Flüchtling in einer Scheune und gibt ihm Arbeit. Fritz und Emma haben noch immer keine Kinder, spöttische Bemerkungen am Stammtisch tun ihr Übriges, und so bittet der Bauer Albert inständig, für ihn mit Emma einen Erben zu zeugen. Albert sträubt sich zunächst, doch er fühlt sich auch zu Dank verpflichtet. Und so nimmt ein bizarres Arrangement seinen Lauf, das nicht gutgehen kann.

Eingebettet ist diese Geschichte in eine Rahmenhandlung, in der 1970, also viele Jahre später, ein junger Mann seinen Vater, der als Erzähler der langen Rückblende fungiert, in einem israelischen Kibbuz aufsucht - mit einem Brief seiner Mutter. Franziska Schlotterer, Jahrgang 1972 und bislang durch Kurz- und Dokumentarfilme hervorgetreten, drehte in Koproduktion mit Israel mit ihrem Spielfilmdebüt "Ende der Schonzeit" ein intensives Kammerspiel in freier Natur, das ein ganz labiles, streng isoliertes Beziehungsdreieck entwirft. Es geht um Angst, Ausnutzung, Sehnsüchte und Eifersucht. Und dass es in diesem unterschwelligen Machtkampf, der für subtile Spannung sorgt, den Schwächsten trifft, macht den Schrecken dieses Films aus.

Mit seinem Themenkomplex um mangelnde Zivilcourage und aufgeladene Schuld, Antisemitismus und Mitwisserschaft ist Schlotterers Film überaus anspruchsvoll und sehenswert. Das ist auch ein Verdienst der hervorragenden Schauspieler, allen voran Brigitte Hobmeier. Sie überzeugt als unglückliche Frau, die von einem anderen Leben träumt und dafür alles zu tun bereit ist.

Bewertung: empfehlenswert

"Ende der Schonzeit" D/Israel 2012, 100 Min., ab 12 J., R: Franziska Schlotterer, D: Brigitte Hobmeier, Hans-Jochen Wagner, Christian Friedel, Thomas Loibl, Max Mauff, täglich im Studio-Kino, Internet: www.farbfilm-verleih.de