Jeannine Platz macht sich ein Bild vom Hamburger Hafen

Die Künstlerin lässt sich beim Schaffensprozess zusehen

Galerie Chaco. Der weiße Schutzoverall von Jeannine Platz hängt an diesem Morgen noch in der Ecke. Die Umsetzung der neuesten Ideen ist wichtiger als der Schutz der eigenen Kleidung vor den Acrylfarben. "Ich habe letzte Nacht von einem Fehler bei den Krähen geträumt. Das musste ich heute gleich korrigieren", erzählt die Hamburger Künstlerin, die derzeit in der Galerie Chaco in den Zeisehallen an einem sechs Meter breiten Bild des Hamburger Hafens arbeitet.

Nicht nur wegen der Größe fällt das Bild aus dem Rahmen, auch wegen der Materialien, die Platz verwendet: Rund 500 Blättchen Gold hat sie zusammen mit hellblauer, weißer und schwarzer Acrylfarbe auf die große Leinwand gebracht. Die Liste aller weiteren Hilfsmittel ist denkbar kurz, meistens braucht sie nur einen Spachtel und eine Zahnbürste. "Und die Hände. Ich mache ganz viel mit den Händen."

Eine Vorlage benutzt Jeannine Platz bei ihrer Arbeit nicht. Sie verlässt sich voll und ganz auf ihre Erinnerungen an den Hafen und an ihre kreativen Ideen, von denen sie mehr als genug hat. "Sonst muss ich halt noch mal zum Hafen fahren und mir das genauer anschauen", sagt die Hamburgerin, ehe sie schnell ein paar weiße Farbkleckse mit dem Spachtel aufbringt.

Und so entsteht seit dem 1. Februar ein überdimensionales Hafenbild, das mit den wenigen Farben, die Platz verwendet, auskommt. Dass man der Künstlerin beim Schaffensprozess täglich zusehen kann, macht das Kunstwerk zu einem kleinen Erlebnis mit spannender Entstehungsgeschichte. Jeannine Platz freut sich über die Besucher: "Ich brauche ab und zu Abstand vom Bild und neue Perspektiven."

Bis zum morgigen Mittwoch soll der Blick in den Hamburger Hafen fertiggestellt sein, auch wenn für Platz ein Bild nie völlig fertig ist. "Bilder, die lange bei mir im Atelier stehen, werden auch schnell mal umgemalt", sagt Platz und verweist auf das Bild eines Schiffes, das vor kurzer Zeit noch von völlig anderen Farben geprägt war. "Man muss sich einfach was trauen", sagt die Künstlerin, die sich in Zukunft vor allem an weitere große Bilder trauen will. "Ich glaube, ich arbeite künftig nur noch in dieser Größenordnung. Das macht richtig Spaß."

Jeannine Platz Bildpräsentation Mi 13.2., 18.00, Galerie Chaco (S Altona), Friedensallee 7-9, Eintritt frei