Raubeine in verrauchten Saloons

Die Rockband Little Feat kommt zum einzigen Deutschland-Konzert ins Gruenspan

Gruenspan. Wäre Frank Zappa nicht gewesen, gäbe es Little Feat nicht. Denn der diktatorische Bandleader lehnte 1969 den Song "Willin'" ab, den sein Gitarrist Lowell George geschrieben hatte. Darin ging es um Trucker, die sich etwas nebenbei verdienen, indem sie Zigaretten und mexikanische Einwanderer über die Grenze schmuggeln. Und es gab darin den Refrain "gimme weed, whites and wine", was übersetzt "gib mir Marihuana, Amphetamine und Wein" bedeutet. Da Zappa aber Rauschmittel kategorisch ablehnte und auch mit abgerissenen Lkw-Fahrern nicht viel am Hut hatte, fand der Song keine Aufnahme ins Repertoire seiner Band, der Mothers of Invention. Lowell George zog daraus die Konsequenzen, verließ Zappas Gruppe und nahm Bassist Roy Estrada gleich mit. Zusammen mit dem Keyboarder Bill Payne und dem Schlagzeuger Richard Hayward gründete er daraufhin die Rockband Little Feat.

44 Jahre später existiert die Band immer noch, allerdings ist mit Bill Payne nur noch ein Mitglied der Originalbesetzung dabei, wenn Little Feat diesen Dienstag zum einzigen Deutschland-Konzert ins Hamburger Gruenspan kommt. Entscheidender war jedoch die erste größere Umbesetzung der US-Gruppe im Jahr 1972. Damals kamen nämlich der Sänger und Gitarrist Paul Barrère, der Bassist Kenny Gradney und Perkussionist Sam Clayton hinzu. Sie prägten neben Lowell George den Sound der Westcoast-Band: eine Mixtur aus Country, Jazz, Blues und Rock. "Als ich damals zu Little Feat stieß, sagte Lowell George: ,Es gibt in dieser Band nur eine Regel, und die besagt, dass es keine Regeln gibt.' Entsprechend frei konnten wir Songs schreiben oder covern und improvisieren", erzählt Barrère. Dass George sich ein paar Jahre später nach durchwachsenem kommerziellen Erfolg der Band dringend einen Single-Hit wünschte und Barrère und Payne feuern wollte, steht indes auf einem anderen Blatt.

Der Ruhm der Band resultiert aus den Alben der 70er-Jahre, als Little Feat von raubeinigen Männern in verräucherten Saloons sang, von abgelegenen Motels und langen Überlandfahrten in die untergehende Sonne. Die Songs von Little Feat entsprachen den Bildern von Edward Hopper, sie warfen einen Blick auf das ländliche Amerika, in dem sich bei jungen Leuten ein neuer Geist von Freiheit als Folge der Hippiebewegung durchgesetzt hatte. Aber die Musiker von Little Feat waren in erster Linie Kritikerlieblinge, die es in den Hitparaden trotz ihrer herausragenden Alben nie bis auf die Spitzenpositionen schafften. Zudem war Lowell George inzwischen von Drogensucht und Krankheit gezeichnet. 1979 löste er Little Feat zum ersten Mal auf, ein paar Monate später starb er im Alter von nur 34 Jahren an einer Herzattacke.

1987 ließen die Mitglieder die Band wieder aufleben und nahmen seither eine ganze Reihe von Alben auf, ohne an die Meisterwerke wie "Dixie Chicken", "Feats Don't Fail Me Now" oder "The Last Record Album" heranzukommen.

Eine Bank ist das Sextett bis heute als Liveband. Etwa 100 Konzerte spielt Little Feat jedes Jahr, die meisten ihrer CD-Veröffentlichungen waren dann auch Mitschnitte von Auftritten. Im vergangenen Jahr erschien mit "Rooster Rag" jedoch wieder einmal ein Studio-Album, das erste seit "Kickin' It At The Barn" von 2003. Mit dem "Candy Man Blues" von Blind Lemon Jefferson und "Mellow Down Easy" von Willie Dixon interpretiert Little Feat zwei Blues-Klassiker, die anderen Songs sind Eigenkompositionen im typischen Stil der Band: also Blues, Country, Jazz und Rock. Ganz wie damals, als Lowell George die Band aus der Taufe hob. "Willin'" aus dem Jahr 1969 hat die Band übrigens auch immer noch im Live-Repertoire.

Little Feat heute, 20.30, Gruenspan (S Reeperbahn), Große Freiheit 58, Karten 39,90; Internet: www.littlefeat.net