Eine Frage des Schicksals

Mit der Langen Nacht der Weltreligionen enden die diesjährigen Lessingtage

Hamburg. Die zehn schwarz gekleideten jungen Leute, die in der U-Bahn einen Flashmob ausrichten und zu lauter Techno-Musik deklamieren: "Wir holen uns den Jungfernstieg zurück", sie wollen etwas tun. Das Schicksal ihrer Stadt mit in die Hand nehmen. Na ja, oder zumindest ein lautstarkes Zeichen setzen. Und unverzüglich verspürt man, ja, handeln, aktiv sein, im Sinne des Guten natürlich, fühlt sich verdammt lohnend an.

Zum Abschluss der diesjährigen Lessingtage im Thalia Theater ging es in der Langen Nacht der Weltreligionen genau um diese Fragen. Sind wir zur Passivität verdammt, dem Schicksal ausgeliefert, oder können wir - zumindest gelegentlich - auch seine Richtung bestimmen? Die Antworten fallen unterschiedlich aus, je nachdem, welche Glaubensrichtung man befragt.

In drei Stunden hörten die Besucher szenische Lesungen von Laotses Tao te King über die Bekenntnisse des Augustinus bis zu Mohammed Ibn Rushd/Averroes. Erneut zeigte sich, welche Kraft diese komplexen Texte noch einmal gewinnen, wenn man sie auch als literarische Werke behandelt, die von Thalia-Schauspielern exzellent vorgetragen werden. Die Gespräche mit ausgewiesenen Religionswissenschaftlern konnten die Dinge nicht erschöpfend behandeln, boten aber Anregung zur Weiterbeschäftigung und zum Austausch bei Teezeremonie und türkischen Süßspeisen.

Zum vierten Mal hieß es damit "Um alles in der Welt - Lessingtage 2013". War das Festival in den ersten Jahren noch stark auf das Thema der interkulturellen Gesellschaft ausgerichtet, geriet es diesmal so politisch wie nie. Drängende Fragen wurden da auf der Bühne verhandelt, vom Zerfall Ex-Jugoslawiens über eine mehr oder weniger unverhohlene Parabel auf die russischen Zustände bis zur Verzweiflung des Subjekts im Spätkapitalismus westlicher Prägung.

Das Konzept ging erneut auf. 16.500 Besucher sahen 58 Veranstaltungen und ließen sich nicht nur auf brennende politische Fragen ein, sondern häufig auch auf eine fremdartige Theatersprache. Manches blieb da unverständlich. Entsprechend zum Bersten gefüllt waren die Publikumsgespräche mit den nationalen und internationalen Künstlern. Sie zeigen, dass ein Wunsch nach Auseinandersetzung existiert, jenseits bestimmter Communities, die ihre heimischen Stars sehen wollen. Auch Stadtführungen, Ausstellungen und Konzerte kamen gut an.