Katholische Kirche will Eurovision Song Contest gewinnen

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Die geistlichen Pop-Missionare Die Priester hoffen, am 14. Februar als deutsche Teilnehmer des ESC nach Malmö entsandt zu werden. Zuvor gastieren sie in Hamburg

St. Petri. Die Hamburger Sopranistin Mojca Erdmann ist auf dem besten Wege, (Opern-)Weltkarriere zu machen. Sie singt ebenso hinreißend Mozart wie Rihm, Mahler wie Strauss, sie hat prestigereiche Engagements in Salzburg, an der Met, in Stuttgart, Amsterdam, Berlin. Was, um Himmels willen, mag sie bewogen haben, ihre starke, schöne Stimme jetzt mit denen dreier laiensingender katholischer Priester zu mischen, die sich auf Roms Geheiß vor zwei Jahren mit Kirchenpop auf Missionsreise begaben? Will sie der Oper neues Publikum erschließen? Immerhin verkauften die schlicht unter ihrer Berufsbezeichnung Die Priester auftretenden Gottesdiener Pater Vianney Meister, Abt Rhabanus Petri und Diözesanpriester Andreas Schätzle von ihrer ersten CD "Spiritus Dei" 100.000 Stück.

Nun ereilt Frau Erdmann als Gast der frommen Unternehmung womöglich tatsächlich neuer Ruhm - allerdings einer, von dem man nicht weiß, ob er ihrer Karriere nicht mehr schadet als nützt. Eine recht unbarmherzig durch die Pomp-Pop-Mangel gedrehte Version des Marienverehrungsliedes "Ave Maris Stella" mit Mojca Erdmann als Solistin, die Die Priester für ihre zweite CD aufgenommen haben, tritt am 14. Februar in Hannover in den Wettstreit um "unser Lied für Malmö" bei der Vorauswahl des deutschen Beitrags zum nächsten Eurovision Song Contest (ESC). Auch dort wird die junge Frau mit dem langen, blonden Engelshaar dem Laiengesang der Geistlichen das strahlende Licht ihres Soprans aufsetzen. Wie die Chancen auf den Sieg der Kirche beim Vorentscheid stehen, lässt sich am Sonnabend in St. Petri abschätzen. Mojca Erdmann singt das Lied dort beim Konzert der Priester im Rahmen von deren Tour "Rex Gloriae".

Wenn Geistliche beim Zelebrieren der Messe ihre Münder zum Singen auftun, erscheint die musikalische Qualität ihrer Darbietung gegenüber der liturgischen Aufgabe nachrangig. Als Konzertsänger, die Eintrittspreise zwischen 32 und 51,50 Euro verlangen, müssen sie dem Vergleich mit Profis standhalten. Doch live, ohne den Schutz gnädiger Tonstudiomauern, innerhalb derer sich auch sakraler Musik-Murks korrigieren lässt, sieht der Gesang der Priester nicht so gut aus. Die Tonhöhen geraten bei ihnen leicht ins Schwimmen. Sie sind professionell im Missionieren, im Musizieren sind sie es nicht. Dass ihr Konzert zeitgleich zum Festival "Lux aeterna" stattfindet, bei dem Top-Interpreten Musik mit spiritueller Mission präsentieren, hat seine eigene Ironie.

Die Priester feat. Mojca Erdmann, Sa, 9.2., 20.00, Hauptkirche St. Petri (S/U Jungfernstieg), Eingang Bergstraße, Tickets 32,- bis 51,50

( (TRS) )