Arte-Doku

Von falschen Freunden im Netz gefangen

Die Onlinekriminalität boomt so wie das Internet selbst, zeigt eine gelungene Arte-Doku. Internet-Gauner längst professionell organisiert.

Hamburg. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn ausgerechnet unser aller Freund und Seelentröster, das Internet, eine saubere Weste trüge. Tut es aber nicht. Tummelplätze von Menschenmengen sind nun mal seit jeher der perfekte Nährboden für kriminelle Machenschaften. Im Zeitalter von Web 2.0 sind die Internet-Gauner längst professionell organisiert in mafiösen Strukturen rund um die Welt. Der Sender Arte zeigt eine Dokumentation, die einen Überblick über die Gefahrenlage verschafft und Verhaltensregeln für User bereithält.

Die Rentnerin Ursula H. sollte 600 Euro in ihrem neuen Minijob verdienen, auf den sie über eine seriös anmutende Website aufmerksam geworden war. Es gebe nicht mehr zu tun, als ein Konto auf ihren Namen zu eröffnen und die PIN-Nummer an den Auftraggeber zu schicken. Ursula H. gehorcht arglos. Wenige Wochen später hat sie einen Strafbefehl wegen des dringenden Verdachts auf Geldwäsche im Briefkasten. 2250 Euro Strafe sind die Folge. So wie Frau H. kann es jeden treffen, der im World Wide Web an falsche Freunde gerät. Mirko Manske vom BKA sagt, es gebe eine einfache Regel, Betrügern nicht auf den Leim zu gehen: "Wenn Sie für einen Fremden etwas tun sollen, was dieser auch gut selbst tun könnte, sollten Ihre Alarmglocken schrillen."

Die Internetkriminalität boomt so wie das Internet selbst. Allein 2011 wurden weltweit 187 Millionen Kreditkartendaten gestohlen und auf schwarzen Märkten in Online-Foren weiterverkauft. Zwei Drittel aller deutschen Unternehmen sind durch Hacker bereits ihrer Firmengeheimnisse beraubt worden. Damit steht Deutschland auf Platz zwei, hinter den USA. Neben Privatleuten und Firmen sind besonders Banken und Regierungsbehörden im Fokus der Kriminellen. Der durch alle Formen von gefährlicher Software angerichtete Schaden beläuft sich weltweit auf 300 Milliarden Euro pro Jahr. Das ist mehr, als alle Schwarzmärkte für Marihuana, Heroin und Kokain zusammen einnehmen. Doch es gibt auch eine lichte Seite der Macht. Die global operierende Firma Symantec fährt mit ihren kilometerlangen Serverschrankfluchten nachtschwarze, blinkende Geschütze auf im Kampf gegen Viren, Trojaner und was da sonst noch kreucht und fleucht im Cyberspace. Pro Jahr vereitelt der Konzern mehr als fünf Billionen Attacken.

"In den Fängen der Internet-Mafia" heute, 20.15 Uhr, Arte