Zu Besuch bei Chinas neuen Opernhäusern

Ist es Interesse an der europäischen Kunstform Oper, ihren Klängen und Konventionen, die dort so fremd wirken wie hierzulande ein Peking-Oper-Spektakel? Oder geht es doch nur um Prestige, Schauwerte und das Signal an den Rest der Welt, dass man sich als Wirtschaftsmacht auch im Bereich der Kultur alles kaufen und leisten kann?

Im Rahmen des 3sat-Thementags "Im Reich des Drachen" am 3. Februar beschäftigt sich Ralf Plegers Dokumentation "Chinas neue Musentempel" mit dem Bauboom, der dort etlichen Metropolen Opern- oder Konzerthäuser bescherte. Das westliche Kulturgut Oper gilt dort oft als willkommener Anlass, westliche Stararchitekten - darunter auch der Hamburger Meinhard von Gerkan - zu engagieren und sich futuristisch gestylte Prunkbauten als Postkartenmotive in halb fertige Stadtteile stellen zu lassen. Statussymbole, die in der Nacht wie gestrandete Raumschiffe wirken und deren Anblick der Film deswegen auch mit Musik aus dem Science-Fiction-Klassiker "Blade Runner" unterlegt. Gerkans Grand Theatre lichtorgelt in der Dunkelheit, es ist das neue Wahrzeichen einer 32-Millionen-Stadt, deren Verwaltungsgebiet in etwa so groß ist wie Österreich.

Nirgendwo sonst auf der Welt wird so viel Geld für die Errichtung von Kultur-Prestigebauten ausgegeben wie im China der letzten Jahre. Dabei wird allerdings oft vergessen, dass die flotten Hüllen auch den einen oder anderen programmatischen Inhalt benötigen. Hektik und großzügige Auslegung von Vorschriften führten außerdem dazu, dass manche Häuser - Zaha Hadids Opernhaus für Guangzhou ist ein bekanntes Beispiel - schon wieder bröckeln. Kritische Fragen über Sinn oder Unsinn solcher Fassaden-Exzesse zur Dekoration glitzernder Skylines stellt die Doku aber leider nicht. Sie staunt. Der Trick mit den Fassaden hat also funktioniert wie geplant.

"Chinas neue Musentempel", 3.2., 19.15, 3sat