Der Sänger und Gitarrist Stoppok, gebürtiger Hamburger, spielt am 1. und 2. Februar im Polittbüro Folk-Blues mit ironischen Texten.

Polittbüro. Umschwärmt und von euphorisierten Fans auf der Straße umlagert? Stefan Stoppok muss das gar nicht haben. Und doch hat er dieses Gefühl kennengelernt, vor zweieinhalb Jahren im indischen Kalkutta. "Ich war echt erstaunt, wie die Leute reagiert haben", wundert sich der Musiker noch heute. Im westbengalischen Fernsehen hatte er sein bisher ungewöhnlichstes Projekt live vorgestellt: Das Album "Tagore & We", das er mit den indischen Künstlern Soumyojit & Sourendro sowie Srabani Sen aufgenommen hatte. "Es ist bis heute mein einziges Nummer-eins-Album", sagt Stoppok ohne Wehmut. In Deutschland ist es bisher nicht veröffentlicht.

21 Alben hat Stoppok - sein Nachname ist auch sein Künstlername - in seiner mehr als 30 Jahre dauernden Laufbahn herausgebracht. Von Karriere zu sprechen verbietet sich bei ihm.

Auch in Hamburg, seiner Geburtsstadt, kann er sich ganz entspannt bewegen, hier kennen ihn mehr oder weniger nur Eingeweihte. Von seinen alljährlichen Konzerten in der Markthalle, in der Fabrik oder im Polittbüro, in dem Stoppok an diesem Freitag und Sonnabend mal wieder gastiert. Solo.

"Ich habe es immer geschafft, den großen Erfolg zu torpedieren", sagt er. "Das Schlimmste bei einem Künstler ist, wenn der Erfolg da ist und du darauf reduziert wirst."

Wer Stoppok indes einmal live erlebt hat, der weiß, dass der 56-Jährige eine Nummer für sich ist. Ein unkonventioneller Liedermacher mit Gitarre, dessen Wurzeln im Folk, Blues und Rock liegen. Dessen Sinn für Ironie nicht nur in seinem 2007er-Album "Hits 1997-2007" durchschimmert - er hatte ja nie einen Charts-Erfolg in den Top Ten. Nicht mal mit dem Soundtrack zum Kinofilm "Was nicht passt, wird passend gemacht" vor zehn Jahren

Außer mit seinem Gitarrenspiel überzeugt der Musiker mit alltagsnahen satirischen, manchmal auch melancholischen Texten. Mal mit nöliger Stimme, vor allem aber immer richtig schnoddrig vorgetragen. Liegt wohl auch daran, dass der gebürtige Hamburger eigentlich ein Kind des Ruhrpotts ist.

"Ich habe das Ruhrgebiet gehasst", erzählt Stoppok, der als Fünfjähriger mit seinen Eltern und seinem großen Bruder nach Essen zog. Viel lieber erinnert er sich daran, dass er bis zum elften Lebensjahr die sechswöchigen Sommerferien bei seiner Tante in Hamburg verbrachte.

Als Zwölfjähriger bekam er dann seine erste Gitarre geschenkt.

Bereits als 14-Jähriger besuchte er das Pop- und Blues-Festival in der Essener Grugahalle. "Mein Vater war gerade gestorben, und meine Mutter schenkte mir die Karte." Das war 1970. Er freute sich auf Jimi Hendrix, doch der stieg zwei Wochen vor dem Konzert in den Rock-Olymp auf. Stattdessen erlebte Stoppok die Progressive Rockband The Gun mit "Race With The Devil". Und nachdem ihn drei Jahre später die Betreiberin eines Folkclubs in Witten zum ersten Auftritt überredet hatte, zog Stoppok mit 18 Jahren zu Hause aus.

Drei Jahre reiste er als Straßenmusiker durch Europa. "So habe ich auch das Banjospielen gelernt, auf der Straße musst du laut sein", lautet seine Erfahrung. Was Musiker, ob nun aus Südamerika oder von woanders her, heute auf der Straße mit ihren Verstärkern treiben, sei doch "organisiertes Verbrechen". Da ist sie wieder, die Ironie, die auch in Songs wie "Da bin ich Fan von" oder "Mülldeponie" rauskommt. Die Mülltrennung könne die Welt auch nicht retten, schreibt und singt Stoppok; das Lied endet mit der Zeile: "Der beißende Geruch stört das Idyll."

15 Jahre, so lange wie an keinem Ort zuvor, hat es Stoppok in der Marktgemeinde Diessen am Ammersee ausgehalten. "Der Ruhrpott war immer multikulturell, daher kommst du sogar mit den Bayern klar", ätzt er. Kürzlich indes ist Stoppok, den der Bochumer Satiriker Frank Goosen mal liebevoll eine "echte Fresse" genannt hat, zurück nach Norddeutschland gezogen, ins Grenzgebiet zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen mit viel Wald.

In welchen Ort genau, möchte Stoppok ("Ich schlafe nachts jetzt noch besser") auch auf Nachfrage nicht verraten. "Ich möchte private Sachen nicht allzu breittreten. Die Bühne ist mein Lebensraum. Dort mach' ich mich richtig nackig." Mit seinen Texten und Gitarre, mit den Füßen zusätzlich Bass-Drum und Snare spielend. Und wie heißt es in seinem Song "Na schön" doch so treffend? "Von 30 Radiointerviews hast du 20 schon verpennt und wunderst dich noch immer, dass dich kaum 'ne Sau hier kennt."

Als Solo-Livealbum hat Stoppok die "Zugabe" im Gepäck. Das vertreibt der Songschreiber nur auf Tournee bei Konzerten. "Um dagegenzuarbeiten, dass man heute alles online kaufen kann", meint Stoppok. Das Album könne man dann als Trophäe mitnehmen, unkt er, der personifizierte Geheimtipp.

Wichtiger bleibt ihm seine künstlerische Weiterentwicklung und dass er 2014 ein neues Album mit seiner dreiköpfigen Band aufnimmt. Mit jener betritt er am 4. Mai in Hamburg sogar die Open-Air-Bühne - auf der Reeperbahn im Rahmen des evangelischen Kirchentages. Der Glaube an die späte Karriere aber ist Stoppok fremd. Es gibt für ihn schließlich Größeres.

"Stoppok" Fr 1./Sa 2.2., 20.00, Polittbüro (U/S Hauptbahnhof), Steindamm 45, Karten zu 20,-/erm. 15,- unter T. 28 05 54 67; www.stoppok.de