Neue Hoffnung für die "Frankfurter Rundschau"

Türkisches Medienhaus Estetik Yayincilik will Verlag und Druckerei übernehmen

Hamburg. Am Dienstagabend, kurz nach 18 Uhr, machte ein türkischer Verlag sein Interesse an der insolventen "Frankfurter Rundschau" (FR) öffentlich: Via Pressemitteilung meldete das Medienhaus Estetik Yayincilik, es habe "ein Angebot für die Übernahme der ,Frankfurter Rundschau' und ihrer Druckerei unterbreitet".

Dieses Angebot sei dem Insolvenzverwalter am vergangenen Sonntag in schriftlicher Form vorgelegt worden. Ziel des türkischen Verlags sei es, die Rundschau als "eigenständige Tageszeitung auf ihrem Gebiet wieder wettbewerbsfähig zu machen". Das ist mehr, als die ebenfalls an der "FR" interessierte "FAZ" zu versprechen bereit ist.

Wie bereits gemeldet, will das Frankfurter Zeitungshaus den bisherigen Wettbewerber als abgespeckte Regionalzeitung für das Rhein-Main-Gebiet fortführen. Es ist bereit, gut 30 Redakteure zu übernehmen. An der Druckerei der "FR" ist es nicht interessiert. Im Gegensatz zu Estetik Yayincilik hat die "FAZ" ihr Interesse bisher nicht öffentlich gemacht.

Erstaunlich ist der Zeitpunkt, an dem die Türken den Schritt an die Öffentlichkeit wagen. Schon diesen Mittwoch soll um 11.30 Uhr der Belegschaft der "FR" verkündet werden, wie es mit ihrem Blatt weitergeht. In Verlagskreisen hieß es allerdings bereits Dienstagmittag, Estetik Yayincilik sei aus dem Rennen. Das wird vom Niederlassungsleiter Europa des türkischen Medien-Unternehmens, Ali Gülen, aber bestritten. Er sagt, diesen Mittwoch werde allenfalls eine Vorentscheidung bekannt gegeben. Gülen rechnet damit, dass sich die Gespräche noch ein paar Wochen hinziehen. Zum ersten Mal habe sein Haus am 14. Dezember vergangenen Jahres mit der "FR" Kontakt aufgenommen. Am Standort Frankfurt will Estetik Yayincilik nicht nur die linksliberale Traditionszeitung weiterführen. Geplant ist auch, eine deutsche Ausgabe des türkischen Blattes "Sözcü" auf den Markt zu bringen.