Vom Polarkreis an die heimische Sternbrücke

Die Hamburg-Berliner Indieband Tusq präsentiert ihr neues Album "Hailuoto"

Astra-Stube. Dass sich Bands in abgeschiedene Landstriche zurückziehen, um an Songs zu schreiben, ist ein gerne genommenes Mittel. Der künstlerische Prozess ist von Ablenkung befreit. Wie unter einem Brennglas verdichtet sich das musikalische Schaffen.

Die Hamburger-Berliner Band Tusq hat dieses Prinzip perfektioniert, um ihre neue Platte aufzunehmen. Für die Arbeit an ihrem zweiten Album "Hailuoto" reiste das Quartett auf die gleichnamige finnische Insel nahe dem Polarkreis. Zu einem Drittel ist das Eiland Vogelschutzgebiet. Urbanes Ambiente sieht also anders aus. Aber was tun, wenn einer der 1001 Bewohner auf den Namen Jürgen Hendlmeier hört und ebenjener Produzent ist, mit dem Tusq unbedingt Musik machen möchte.

Und so bezog die Hamburger Fraktion der Band, bestehend aus Gitarrist Timo Sauer, Schlagzeuger Holger Lüken und Bassist Florian Gelling, für vier Wochen ein uriges Lotsenhaus an der Küste. Uli Breitbach (Gesang, Orgel, Akkordeon) stieß aus Berlin hinzu. Und in der eisigen Einsamkeit entstanden zehn Songs, die allesamt von einer dunklen Euphorie getragen werden.

"Perfect Game", die Eröffnungsnummer der Platte, ist eine klassische, griffige Gitarrenhymne, die jeden Indiepop-Fan unweigerlich auf die Tanzfläche treiben wird. Auch das Stück "Drive" atmet vollends die Sehnsucht, wie sie nur durch fünf schroff gespielte Saiten ausgedrückt werden kann. In dem getragenen "Shortcut Through A Bottleneck" und dem elegischen "House Of Cards" wiederum kommt Breitbachs eindringliche Stimme besonders schön zur Geltung. Düstere Romantik gibt da nonchalanter Slacker-Attitüde und smartem Stilbewusstsein die Hand. Und die Verneigung vor britischen Indierockhelden wie New Order, The Cure oder Suede ist unüberhörbar.

Obwohl "Hailuoto" homogen gelungen ist und auf episches Soundkino setzt, spart Tusq nicht an feinen Details und Brüchen. Oder, wie es in der Platteninfo von Journalist Jan Schwarzkamp treffend heißt: "Große Songs, die für das Stadion gedacht und den Club geschrieben sind." Diesem Motto macht der Indie-Vierer zum Platten-Release alle Ehre. Denn obwohl Tusq bereits mit Gruppen wie The Soundtrack Of Our Lives, Teenage Fanclub und den Beatsteaks die Bühne teilte, präsentiert sie ihr neues Material in der Astra-Stube unter der Sternbrücke. Oben fährt die Bahn. Rechts und links queren die Autos. Alles andere als abgeschieden. Aber auch eine Insel für sich.

Tusq Fr 18.1., 21.00, Astra-Stube (Bus 3, 15), Max-Brauer-Allee 200, 7,- (Ak.); www.tusq.net