Bühne

Liebes- und Lebensgeschichte eines Musiker-Ehepaars

Der Kunstliederabend "Heimliches Flüstern" am Hamburger Opernloft spiegelt in Werken von Clara und Robert Schumann das Drama der beiden.

Hamburg. Vöglein zwitschern allerliebst. Über die weißen Leinwandlappen auf der Bühne flimmern Videos mit Blumen in lichtem Frühlingsgrün. Dann erklingt Robert Schumanns "Träumerei". Lyrisch und schwer elegisch gibt sich der von Inken Rahardt und Susann Oberacker konzipierte und inszenierte Kunstliederabend "Heimliches Flüstern" im Opernloft. Die beiden versuchen mit der dramatischen Liebes- und Lebensgeschichte des Musiker-Ehepaars an ihren Erfolg mit Franz Schuberts "Winterreise"-Zyklus anzuknüpfen.

Am Klavier inmitten der Bühne sitzt und spielt Clara. Die musikalische Leiterin des Abends, Makiko Eguchi, trägt das gleiche moderne Kleid und die gleiche Frisur mit Pferdeschwanz wie die beiden Sängerinnen, die sie begleitet. Auf Historismus verzichtet die Regisseurin Rahardt entschieden, allerdings nicht auf Naturromantik und den Symbolismus, den Lebenslauf in den Zyklus der Jahreszeiten einzubinden.

Die Sopranistin Mariya Seleznyova und der Mezzo Sophiya Palamar sind ihrerseits Alter Egos der Pianistin Clara Wieck alias Schumann. Durch die Heirat mit dem genialen Musiker hatte sie ihre eigene Konzert-Karriere nahezu aufgegeben und weitgehend auch auf das Komponieren verzichtet. Auszüge aus Briefen und Tagebüchern der beiden verliebten Musiker werden zu musikalischen Intermezzi, Rhapsodien oder Sätzen aus Schumanns "Kinderszenen" projiziert und informieren über die dramatische Liebesgeschichte, die sich auch in der Auswahl der Lieder spiegelt. Abwechselnd im Solo oder Duett interpretieren die beiden jungen russischen Sängerinnen die von Eguchi für ihre sehr schön harmonierenden Stimmen arrangierten Lieder. Sie sind als Selbstgespräche oder auch als Dialoge inszeniert. Die Performerinnen illustrieren in Läufen, im Tanzen und in Umarmungen auch Claras und Roberts Gefühlsstürme und -wechsel. Allerdings fällt ihr körperlicher Ausdruck gegen den stimmlichen ab. Besonders Mariya Seleznyova gelingt es, bei der Lied-Interpretation Farbe und Nuancierung in ihre auch sprachlich überraschend klare Phrasierung zu bringen. Natürlich verfügen die beiden Sängerinnen noch nicht über die Finessen, über die Fülle und das Raffinement der hohen Liedkunst. Und auch ihrer Begleiterin Makiko Eguchi mangelt es an Erfahrung, um den Feinheiten von Schumanns und Brahms Klavierwerken in Klang und Tempi gerecht zu werden.

Davon können auch die nahezu permanenten Bilderwechsel nicht ablenken. Im Gegenteil. Geht es visuell einmal ruhiger zu - ohne das Zittern von Blättern, Gräsern und Blüten aller Arten im Wind stellt sich beim Zuschauer große Konzentration ein, die diese Schwächen erkennen lässt.

Im zweiten Teil erzählen die Sängerinnen, nun körperlich mehr auf Distanz, von Claras keinesfalls nur musisch inspirierter Beziehung zum jüngeren Johannes Brahms, der sich nach dem Tod Schumanns um dessen Frau und ihre Familie kümmerte. Seine Lieder über eine unerfüllt bleibende Liebe und Leidenschaft prägen die etwas zu lang geratenen "Winterszenen", verleihen ihnen aber einen reizvollen Kontrast zum Liebesfrühling.

Die Lieder sprechen in Wort und Musik klar und stark für sich, hätten die verdoppelnde Illustration durch Naturbilder oft gar nicht nötig. Doch die Regisseurin vertraute der Kraft der Musik wohl nicht recht in ihrem unterm Strich hörenswerten Experiment, mit dem sie versucht, die Tradition der Liederabende neu zu beleben.

"Heimliches Flüstern" 13., 27.12. und 19.1.2013, jeweils 20.00, Opernloft, Karten unter T. 25 77 68 930; www.opernloft.de

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