Eine zynische Satire über die Gier der Banker

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Hamburg. Das System hängt am seidenen Faden. Strapaten-Artistin Réka Kovács dreht und spreizt sich am Hängeseil. Das Bild ist plakativ, doch stimmig: Wie der adlige Betrüger in Hermann Brochs "Aus der Luft gegriffen oder Die Geschäfte des Baron Laborde" gleichen alle Figuren in der zynischen Banker-Satire über dem Abgrund balancierenden "Artisten": Sie probieren den Spagat zwischen (Glücks-)Gewinn und Kriminalität. Regisseurin Lydia Spiekermann entdeckte das Stück von 1934 und inszenierte es im Sprechwerk als coole Komödie über den Tauschhandel von Geld und Sex.

Ulrich Allroggen - der Hamburger Schauspieler ist auch als Musical-Darsteller "Mamma Mia!" bekannt - gibt smart und gut aussehend den Siegertyp, Charmeur und Schwindler Laborde. Der setzt im Bett auf echte Körperreize und zockt an der Börse mit falschen Aktien. Die Analogie zu heutigen skrupellosen Schiebern mit virtuellen Höchstsummen liegt auf der Hand und verleiht dem Stück überraschende Brisanz.

Ann-Christine Gruntzdorff zeigt Labordes junge Gattin Baronesse Stasi komisch als halbseidenes, gerissenes Luder. Ihrer Rivalin Agnes bewahrt Catharina Fleckenstein trotz der Schwäche für den unwiderstehlichen Luftikus kühle Eleganz und klare Vernunft. Ihren Verlobten spielt Guido Bayer eckig, verklemmt, aber geil eher als ulkiges Buchhalter-Würstchen denn Millionen verjuxenden Broker. Auch Hans-Peter Kurr gefällt sich mehr als "komischer Alter" in der Rolle des spekulierenden Bankpräsidenten, der gefährlicher und schärfer sein könnte.

Doch alle Darsteller bleiben und agieren tänzerisch leicht und komödiantisch im formalen Rahmen von Spiekermanns abgezirkeltem, betont ausgestelltem Bewegungstheater. Der Saxofonist Anri Danielian spielt auf zu diesem amüsant sarkastischen Tanz auf dem Vulkan.

"Aus der Luft gegriffen oder Die Geschäfte des Baron Laborde" 29./30.11. u.14./18.12., jeweils 20.00, Sprechwerk, Karten: T. 0180/504 03 00

( (-itz) )