Jüdisch-deutsche Künstler von heute

Bilder, Skulpturen und Objekte im Museum für Hamburgische Geschichte

Hamburg. Vor der Schoah lebten in Hamburg 20 000 Juden. Heute sind es 3000. Gemeinsam mit den Mitgliedern aus Schleswig-Holstein zählt die Jüdische Gemeinde derzeit 5000 Menschen. Im Museum für Hamburgische Geschichte zeigt die Ausstellung "Grenzenlos - zeitgenössische jüdische Künstler aus Hamburg und Schleswig-Holstein" zur Jüdischen Kulturwoche 74 Bilder, Skulpturen und Objekte von zehn Künstlern.

Die Jüdische Gemeinde in Hamburg tritt jetzt erstmals seit der Schoah in größerem Umfang mit einem Kulturprogramm an die Öffentlichkeit. Neben der Ausstellung setzen Lesungen, Theater, Filme und Konzerte ein lebensfrohes Zeichen der Normalität. So trifft man in dieser Schau weniger auf das Dunkel der Vergangenheit als auf fast heitere Gegenwart. Da tanzt ein Clown in einer abstrakten Bildkomposition von Felix Birchanskyy. Eine musizierende Jazzband im Hotel hat Semen Yachenko äußerst realistisch dargestellt. Und Vira Vaysberg malt mit frischen Farben den Hamburger Michel.

Religiöse Motive tauchen bei Roman Feierstein auf. Etwa wenn er den siebenarmigen Kerzenleuchter, die Menora, im Dunkel eines Innenraums aufscheinen läßt oder hebräische Schriftzeichen zum Bildmotiv erklärt. Und Emilia Starobinskaia hat sich auf Porzellandesign spezialisiert.

So stellt sich die Schau in einer bunten Vielfalt dar, die vielleicht nicht repräsentativ für zeitgenössische Kunst stehen kann, aber doch das recht reiche kreative Schaffen innerhalb der Jüdischen Gemeinde widerspiegelt. "Ein Schaufenster", nennt Andreas Wankum, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, die Ausstellung. "Aber sie gibt den Künstlern auch Gelegenheit, ihre Werke mit Stolz zu präsentieren. Viele stammen aus der Ukraine und leben erst seit einigen Jahren in Deutschland. Alle der 85 Jüdischen Gemeinden in Deutschland setzen sich aus Zuwanderern zusammen", erklärt Wankum. "Es ist so gut wie nichts an deutsch-jüdischem Leben übriggeblieben."

  • Holstenwall 24, bis 12. 12., di-sbd 10-17 Uhr, so 10-18 Uhr. Mehr Informationen zur Jüdischen Kulturwoche (bis 8. 11.) unter Tel: 040/44 09 44 29 und im Internet unter www.jghh.org

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