Das Motto der Radios

20 Jahre privater Rundfunk in Hamburg. Jeder Sender hat seine Musikfarbe, die mit der Zeit wechselt. Auch Gründer zogen sich zurück.

Hamburg. Zwanzig Jahre privater Rundfunk in Hamburg bedeuten große Vielfalt auf den Radiowellen. Im Stadtgebiet kann man derzeit 30 Programme über UKW per Antenne empfangen. Knapp die Hälfte davon sind öffentlich-rechtliche, dreizehn Programme werden von kommerziellen Sendern ausgestrahlt. Dazu kommen BFBS, der Sender der britischen Streitkräfte, der Bürger- und Ausbildungsfunk Tide und das Freie Sender Kombinat e.V. (FSK), ein durch Hörer-Spenden finanziertes Konglomerat alternativer Anbieter. Hier sollen die in Hamburg sendenden Privatradios betrachtet werden.

Marktführer in der Gunst der Hörer ist Radio Hamburg mit seinem gläsernen Studio am Speersort. Die letzte Media-Analyse (Marktanteil Montag bis Sonntag, Hörer ab 14 Jahre) ergab: Ein knappes Viertel der eingeschalteten Radios ist auf die Frequenzen 103,6 oder 104 eingestellt, auf denen Radio Hamburg zum Teil mit einem City-Fenster sendet. Das Gemeinschaftsunternehmen von Bertelsmanntochter Ufa, Bauer Verlag, Axel Springer, Hamburger Morgenpost und Lühmanndruck (Harburger Anzeigen) ist seit dem 31. Dezember 1986 on Air. Stars: John Ment (Morning show) Birgit Hahn, Jan Bastick. Motto: Mehr Vielfalt mit den Mega-Hits der 90er, 2000er und dem Besten von heute.

106!8 rock'n pop startete im Juli 1987 als Rocksender Radio 107, änderte 1991 seinen Namen in Alsterradio und wurde als Schlagersender derart erfolgreich, dass Geschäftsführer Ulrich Bunsmann die Notbremse zog. Die zahlreichen älteren Hörer waren der Werbeindustrie nicht schmackhaft zu machen. Also mussten ein neuer Name und eine neue Klangfarbe her. Als 106!8 hat er jetzt mit einer Mischung aus Classic Rock, Rock und Pop in der angestrebten Hörergruppe deutlich aufgeholt (7,4 Prozent Marktanteil). Erfolgsprogramm: der Treuetest, mit dem Hörer die Seitensprunganfälligkeit ihrer Partner prüfen lassen können.

Energy Hamburg 97,1 wurde 1991 von dem Plattenproduzenten Hans Ruland als Jazzwelle Plus gegründet. Auch diese Musikrichtung , so lieb sie manchem ist, hatte es mit der Vermarktung schwer. Seit Oktober 1995 betreibt deshalb der neue Gesellschafter, der französische Radiokonzern NRJ, den Kanal als Hamburg Ausgabe seines deutschen Energy-Netzwerkes. Der anfangs noch vorgeschriebene Jazzanteil ist heute im Programm nicht mehr zu finden (Marktanteil 4,4 Prozent). Motto: Hitmusic only.

Oldie 95 ist der Hamburger Sender mit der bewegtesten Programmgeschichte. Als OK Radio am 1. März 1988 von Klaus Schulz, dem Herausgeber des Stadtmagazins "Oxmox", und dem Musiker Frank Otto gegründet, wurden seither Programmfarbe und Name mehrfach geändert: ok magic 95, magic fm, fun fun radio, fun fun 95, mix 95.0. Seit Mai 2002 ist er als einziger Oldie-Sender der Stadt on Air (Marktanteil 3,4 Prozent). Frank Otto hält heute 51 Prozent. Jeweils knapp über 16 Prozent haben Radio Hamburg, Niedersachsens FFN und die Radiogruppe Regiocast. Motto: 60er, 70er und 80er.

Den Kontrapunkt im kommerziellen Hamburger Radiokonzert stellt mit deutlich älterer Musik Klassikradio dar. Ein Sender, an dem auch mal Bertelsmann und Spiegel beteiligt waren. Seit Oktober 1990 sendet die Augsburger Klassik Radio AG aus der Hamburger Planckstraße, stellt sich dar als Deutschlands meistgehörter Kultursender (3,4 Prozent).

Nennenswerte Marktanteile in Hamburg erreichen die Privatsender R.SH (5,4 Prozent), Delta Radio (1,5) und Radio Nora (2,5) aus Schleswig-Holstein sowie Hitradio Antenne und radio ffn (je ein Prozent) aus Niedersachsen.

  • Nächste Folge: Der NDR und die Privaten

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.