Nackte Körper im leeren Raum

Hamburg. Er kann es nicht lassen. Der Amerikaner John Jasperse ärgert sich über seinen Ruf, ein Meisterchoreograph nackter Männer zu sein. In seinem neuen Stück "Giant Empty" (Die große Leere) tanzt er jedoch wieder hemd- und hosenlos genau wie sein Partner Steven Fetherhuff. Ihr freizügig unschuldiges Duo in magischem Halblicht gehörte bei der Kampnagel-Premiere zu den Höhepunkten, die für atemlose Stille und Konzentration bei den Zuschauern sorgten. Den nackten Körper stellt Jasperse nicht obszön aus, behandelt ihn als reine Form. Sie erfordert allerdings viel Mut, Dezenz und technisches Können von den Tänzern. Da darf sich eine Pobacke an die Wange des anderen schmiegen, der Rücken an den Beinen entlanggleiten oder der eine mal kurz in der Kniekehle des Partners ausruhen. Das Stück in der leeren Kampnagelhalle handelt von den Grenzen des Raumes und des Körpers, dem Versuch, die gebauten Mauern wie die gedachten im Kopf zu überschreiten. Jasperse riskiert es, die Dinge nicht so zu nehmen, wie wir sie gewohnt sind zu sehen. Ob es sich um Nacktheit handelt oder den vertraut festen Boden: Bei ihm wird er plötzlich weich, entzieht den Körpern Halt - ein weiterer Höhepunkt im subtil und formstreng gestalteten Tanztheater. (-itz)

  • John Jasperse Company Giant Empty, noch heute (20.15 Uhr), Kampnagel, Karten: 27 09 49 49.